Man sagt, das Leben sei eine Reise. Eine Reise, bei der ein Schritt auf den anderen folgt und bei der uns jeder dieser Schritte in die Zukunft bringt, hinein in das Unbekannte – hinein in das, was noch sein wird. Niemand weiß genau, welche Konsequenzen seine Entscheidungen auf die Zukunft haben werden. Aber manchmal, ab und zu, zieht Gott den Vorhang beiseite und erlaubt uns, quer durch die Geschichte zu schauen und zu sehen, wie ER die Ereignisse der Menschheit meisterhaft vom Altertum bis in die Moderne geplant hat.

In diesen Zeiten der Offenbarung sehen wir Beweise eines Gottes, der die Hilferufe einer Gemeinschaft von verachteten und abgewiesenen Menschen hörte. Diese werden in der ägyptischen Gesellschaft als die Geringsten verachtet – die Zabbaliner oder „Müllmenschen“ des Mokkatam-Dorfes.

müllstadt-1Jeden Tag verlassen mit Anbruch der Morgendämmerung über 7‘000 Müllsammler die Müllstadt auf Pferdekarren oder Kleinlastern und ziehen nach Kairo, wo sie mehr als 13‘000 Tonnen Abfall von den annähernd 17 Millionen Bewohnern Kairos einsammeln. Sie kehren damit in die engen Straßen der Müllstadt zurück und bringen die Abfälle in ihre Häuser. Hier werden diese von Frauen und Kindern zu Haufen von organischem und anorganischem Müll sortiert. Organischer Müll wird benutzt, um das Vieh zu füttern, das durch die Straßen zwischen den Häusern der Menschen trottet.

„Dann, vor fast 30 Jahren, hat es einen Mann gekümmert.“

Es gab eine Zeit, da schien es, als ob sich das Leben für diese Menschen niemals ändern würde. Und es kümmerte niemanden. Weil sie einen dreckigen Job machten, eine Arbeit, die niemand tun wollte. Und dann, vor fast 30 Jahren, hat es einen Mann gekümmert – Vater Samaan.

„Als ich das erste Mal in die Müllstadt kam und auf der ersten Straße stand, waren die Häuser alle aus Zeltstoff gemacht. Die Menschen hatten nicht einmal einen Stuhl zum Sitzen. Sie saßen auf Pappkartons auf dem Fußboden. Es gab keine Straßen, keinen Strom, kein Wasser. Dieser Ort war für Menschen nicht zum Leben geeignet. Der Gestank der toten Tiere war schrecklich. Aber all das hat mich nicht wirklich getroffen. Was mich wirklich tief berührt hat, waren diese Menschen, die die Gnade Christi brauchten. Alles andere war egal.“

Die Erkenntnis der Verlorenheit dieser Menschen brannte sich tief in Vater Samaans Herz ein. Genau in dem Moment entschied er, Gottes Instrument der Veränderung zu sein. Er watete durch Schweinepferche und zog buchstäblich Menschen aus dem Matsch und Morast und beschenkte sie mit der Liebe Gottes.

„Gott sagte mir: Küsse ihre Hände und ziehe ihnen Schuhe an.“

„Als ich die Leute einlud, zu kommen und etwas über Gott zu erfahren, versteckten sie sich in den Schweinepferchen. Anfangs ging ich mit meinen Sandalen dort hinein und blieb mit meinen Füßen im Matsch stecken. Dann sagte mir Gott, ich solle Stiefel tragen. Das zweite was er sagte, war, dass ich eine Taschenlampe mitnehmen sollte, denn es war sehr dunkel. Also steckte ich meine Hose in meine Stiefel und nahm meine Taschenlampe mit, um sie zu finden. Sie taten sich schwer damit, aus ihren Verstecken zu kommen. Gott sagte mir: „Nimm ihre Hände und küsse sie. Dann küsse ihren Kopf. Und wenn sie dann immer noch nicht kommen wollen, nimm Schuhe und ziehe sie ihnen an.“ Das hat sie wirklich durchgeschüttelt und dann kamen sie mit mir mit. All das lernte ich vom Heiligen Geist, der mir beibrachte, wie ich in diesem Gebiet arbeiten sollte.“

müllstadt-2Heute umbetet Suwad, Vater Samaans Frau, täglich diese Stadt. Aber es gab eine Zeit, in der sie die hohen Kosten von Gehorsam kennenlernte und das Bedürfnis hatte, die Stimme Gottes ganz persönlich zu hören. „Als Gott mich zum ersten Mal in seinen Dienst rief, hatte ich das große Bedürfnis, seine Stimme zu hören. Ich war zu dem Zeitpunkt in einem erstklassigen Unternehmen in Ägypten, ich hatte ein hohes Gehalt. Also betete ich sechs Monate lang und traf keine Entscheidung, bis ich die Stimme des Herrn persönlich hörte.“

Langsam begannen sich Leben zu verändern, als die Lehren Jesu für die „Müllmenschen“ Wirklichkeit wurden. Müllsammler Khalil George bekennt: „Wir waren in der Hölle verloren, wir versanken in Sünde. Wir danken Gott, dass wir IHN jetzt kennen. Wir beten IHN an und wissen, dass Jesus in uns lebt. Wir besuchen Menschen in ihren Häusern und erzählen ihnen davon, wie wir in Sünde gelebt haben und wie Gott uns verändert hat.“

„Jedes Fundstück ist eine Möglichkeit, Gottes Wort in die Tat umzusetzen.“

Wenn die Mitglieder der Gemeinschaft Tonnen von Abfall sortieren, finden sie häufig Gegenstände von immensem Wert. Und jedes Fundstück ist eine Möglichkeit, Gottes Wort in die Tat umzusetzen. Müllsammler Keddees Aguib erzählt: „Da war eine Frau, deren Ehemann viel reiste und drei Jahre lang hart arbeite. Sie behielt das Geld und kaufte davon Juwelen, Armreifen und goldene Kreuze. Sie packte das alles in eine Tasche. Als wir diese Tasche mitten in den Müllbergen fanden, sagten wir: ‚Wir müssen sie den Besitzern zurückbringen‘ Die Frau fragte uns: ‚Woher kommt diese Ehrlichkeit?‘ Und wir antworteten: ‚Jesus lehrte uns, ehrlich zu sein.‘“

Atef Taher fügt hinzu: „Vor vielen Jahren habe ich eine teure Vase bei einer Frau gestohlen, deren Müll ich abgeholt habe. Dann traf ich Gott und ER begann, mich zu verändern. Ich begann zu beten. Ich ging zu Vater Saaman und beichtete ihm, was ich getan hatte. Er sagte: ‚Jetzt geh, bring ihr die Vase zurück und sag ihr, dass du Jesus noch nicht kanntest, als du es getan hast – aber jetzt, wo du Jesus kennst, bringst du sie ihr zurück.‘“

(Mit freundlicher Genehmigung Abdruck aus JoelNews 2013-07)

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