Cajóns-HaitiWaldemar Grab ist mit einem Team nach Haiti geflogen. Sein erstes – ziemlich spannendes Erlebnis schildert er so:

Wir sind gut in Haiti angekommen und ich darf Euch sagen, es lief alles wunderbar. Wir spürten, dass wir auf „Adelers Fittichen“ getragen wurden und insbesondere die Ankunft in Port-au-Prince war wieder einmal spannend wie ein Hitchcock.

Immerhin hatte ich mit dem Blick auf Gottes Versprechen, das er mir gegeben hat, mal eben die Kleinigkeit von acht Cajóns ins Übergepäck genommen und mit einer Übernachtung in New York dann weiter zum Zielort transportiert. Aufgeteilt auf drei Personen machts dann nicht mehr ganz so viel aus, statistisch gesehen. Wie würde der Zoll in PAP reagieren?

Unheimliches Gedränge. Es kam uns vor, als wenn 2.000 Menschen auf zwei Gepäckfließbänder losgelassen wurden. Dazu ein Stimmengewirr, das in Babel ähnlich gewesen sein muss…

Wir  Männer; Markus, Ulli und ich, schwitzten und beobachteten mit zusammengekniffenen Augen dieses eine verrückte Loch in der Wand, wo unsere 11 Gepäckstücke dann irgendwann einmal erscheinen sollten. Es lichtete sich und nichts geschah. Wir merkten, dass wir nervös wurden.

Gott schenkte mir in diesem Augenblick von einer Sekunde zur anderen einen Vers: „Siehe, ich habe dir (doch) geboten, dass du getrost und freudig seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ Josua 1,9 . Ich gab diesen Vers an die Freunde weiter und jeder betete nun für sich in Dankbarkeit weiter. Soll ich wirklich weitererzählen?

„Yes, we can!“

Die Gepäckstücke kamen alle unversehrt „angefahren“. Und nun war da ja nur noch die kleine Hürde der unzähligen Zollbeamten, die heute besonders in „Filz-Laune“ waren. Diese Geschichte ist so wunderbar, dass ich Sie Ihnen in Kürze einmal ausführlich schildere, doch hier die Kurzform:

„Zölllnerin 1 ist entsetzt beim Blick auf die Wagen mit den Cajons, holt Zöllner 2 mit noch größeren, ungläubigen Augen. Wir müssen mitkommen. Zollbüro, strenge Gesichter. Erklären, dass es sich um Geschenke für das Kinderheim xy handelt. „300 Dollar Strafe werden wohl das Minimum“, so eine Stimme. Weitere Vorgesetzte geholt. Ulli Baral (unser Star-Trommler), Markus und ich erklären an verschiedenen Fronten mit Händen und Füßen – und in Englisch und Französisch. Bis die alles entscheidende Frage fällt: „Can you play Raggea?“

„Yes we Can!!“ – Ulli packt in windeseile ein Instrument aus, fängt sofort an zu spielen, uniformierte Hüften fangen an zu kreisen. Klasse, der Junge. Ich singe dazu einen deutschen, christlichen Raggea-Text und erfinde noch irgendwas. Markus passt aufs Gepäck auf – ich sehe sein Herz strahlen! Kaum ein Zöllner ist mehr auf seinem Platz, sie kommen von überall her. Immer wieder neue Rhythmen werden gefordert. Der Preis von 300 Dollar hält sich hartnäckig.

Dann plötzlich Ruhe. „Zachhäus“ wie ich ihn nachträglich heimlich nenne, kommt um die Ecke. Er ist der Chef der Zöllner von Port-au-Prince und hatte wohl gelauscht. „You can go, Gentleman, I like your Music …“, „Sie können gehen, meine Herren, ich mag ihre Musik…“. Wir – und einige seiner Zollsoldaten applaudieren. „God bless You, Sir, thank you!“…- Ich umarme irgendeinen von Ihnen, die Frauen kichern. Ein halbes Dutzend von ihnen brachte uns zum Ausgang.

Die Gebetskette in Deutschland hat wieder einmal funktioniert.

Foto: Waldemar Grab, z.Zt. Haiti

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