taufkreuz mea-1(Gastbeitrag)
Waldemar Grab schreibt in seinem Montagsbrief,

ich habe mir am Sonntag einige Gedanken über die unterschiedlichsten Empfindungen Jesu gemacht, die er während seiner aktiven Zeit im Heiligen Land immer wieder zeigte. Der Sohn Gottes war durch und durch auch Mensch und weil mich dieser Gedanke immer wieder persönlich berührt, suchte ich mir am gestrigen Abend noch einige Belegstellen*, die die besondere Gefühlswelt Jesu aufzeigen.
(* in chronologische Reihenfolge)

  • Jesus war wütend, als sich die Kaufleute im Tempel breit machten und „sein Bethaus zur Räuberhöhle geworden war“. Matthäus (Mt.) 21,12 ff.; Markus (Mk.) 11,15 ff.; Lukas (Lk.) 19,45 ff.; Johannes (Jh.) 2,13 ff.
  • Jesus war nicht selten erzürnt, wenn er mit den Pharisäern und Schriftgelehrten sprach, die in ihren unterschiedlichen Strukturen in teilweise sektenähnlichen Zuständen lebten und lehrten. Worte, wie: „Ihr Schlangen und Otternbrut“ (Mt. 23,33) klangen aus seinem Munde noch gelinde, denn immerhin kannte Jesus als Einziger ihre tatsächliche Gesinnung. Meine Gesinnung kennt er übrigens auch, ist mir dabei klar geworden.
  • Die deutliche „Wehe Euch…-Rede“ ab V.13 ff. spricht Bände, was die Gefühlsregungen Jesu angeht.
  • Seine „Augen liefen über“ und er war ärgerlich, als er die Begleitumstände beim Tod des Lazarus sah (Jh. 11,33 ff.).
  • Das jubelnde Lobpreisgebet Jesu, das völlig neue Emotionen bei ihm freisetzt – es ist ein Gebet, das in seinem weltberühmten „Heilsruf“ endet: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ Mt. 11,25-30
  • Als Jesu Freund und Wegbereiter „Johannes der Täufer“ enthauptet wurde, traf es Jesus bis ins Herz (Mk. 6,17-29) und er nahm ein Boot in Richtung einer „einsamen Gegend“, um allein zu sein (Jh. 14,13).
  • Wie Jesus nach dem Verrat seines persönlichen Freundes (Mt.26,50) Judas Iskariot (Kp. 26,14-16) oder gar die anschließende Verleugnung seines ausgewählten „Menschenfischers“ Petrus (Kp. 29,69 ff.) innerlich aufgewühlt war, kann man nur ahnen.
  • Wie ängstlich war Jesus, als er „zu Tode betrübt“ (Kp. 26,38) im Garten Gethsemane mit Petrus, Johannes und Jakobus zum Gebet ging und wie enttäuscht, als er seine Freunde gleich mehrmals schlafend antraf (Kp. 26,36 ff.)?

Jesu gesamte Wirkenszeit war darauf ausgerichtet, Menschen die gute Nachricht zuzurufen, SEINE gute Nachricht, die „Erlösung mit Ewigkeitswert“ bedeutete. Er hatte immer die Menschen im Blick. Doch sogar am Kreuz fühlte er sich einige Momente lang alleine. Die sieben Kreuzesworte unseres HERRN drücken alle Facetten des menschlichen Lebens und Sterbens aus, inbegriffen der letzten Zweifel („… warum hast du mich verlassen?“) aber auch der letzten Gewissheit „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“ und „Es ist vollbracht“ (Mt. 27,46; Mk. 15,24-37; Lk. 23,32-46; Jh. 19,23-30).

Irdisch-menschliche Emotionen unseres HERRN. Ich persönlich ahne, dass auch Himmel Gefühle möglich sind, denn als Stephanus gesteinigt wurde, sah er Jesus zur Rechten Gottes „stehen (Apostelgeschichte 7,56). Dass Christus auch noch zur Rechten Gottes so berührt ist, dass er sich aufrecht hinstellt, wenn „Märtyrer“ dem Tode nahe sind, ist ein besonders gefühlsbetontes Zeichen. Bedenke: Vor dem Hohen Rat hatte Jesus noch gesagt, dass er „von nun an zur Rechten Gottes sitzen werde“ (Lk. 22,69).

Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden, doch für mich genügt es zunächst, Jesus in all diesen Begebenheiten noch einmal als „Mensch mit Haut, Haaren und Gefühlslage“ zu erkennen. Dieser kurze Blick tat mir gut. Es war ein Blick auf den Bruder.

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