Ich lese zur Zeit in den Psalmen. Fortlaufend. Und ohne Leistungsdruck. Also von wegen, ich müsste jeden Morgen ein gewisses Pensum schaffen…

Nein. Ich lasse mir Zeit. Manchmal lese ich einen Psalm sogar am nächsten Tag noch mal. Weil es gut tut. Weil diese alten Lieder soviel Weisheit ausstrahlen. Soviel Ausrichtung nach oben. Nicht nur theologische Wahrheiten ausdrücken, sondern immer wieder über die Beziehung Mensch-Gott-Mensch berichten. Und hindurchscheinen lassen, wie die „Alten“ intensiv und eng mit dem Allmächtigen zusammengelebt haben.

Und da trifft mich doch kürzlich dieser kurze Satz und geht mir Tage hinterher:

„An dem Tag, da ich rief, antwortetest du mir. Du vermehrtest mir in meiner Seele die Kraft.“ (Psalm 138,3)

Das mit der Seele und dem Kraftzuwachs gefällt mir. 🙂

Rufen und Antworten

Ehe es eben um das seelische Auftanken geht, klärt David, der Songschreiber, noch ein anderes Prinzip. Es besteht für ihn ein direkter Zusammenhang zwischen Rufen und Antworten. Im Klartext: Mensch ruft. Und Gott antwortet. So einfach ist das Prinzip. Für David damals. Und für uns heute?

Da gibt es manchen, der immer wieder darüber stolpert, dass Gott (scheinbar) schweigt, uns in unseren oft schwierigen Umständen allein sitzen lässt. Nicht redet. „Ich höre Gott nicht“, sagen sie. „Immer wieder sage ich Gott mein Problem/Wunsch/Sorge. Aber er antwortet nicht. Ich möchte ja glauben, dass man auch heute noch Gottes Stimme hört, aber bei mir funktioniert das nicht…“

Ich kann solche Argumentation nachvollziehen, ging es mir doch lange Zeit auch so. Bis ich mehr und mehr das Prinzip verstanden habe, dass meine Ansicht der Kommunikation mit Gott viel zu kurz gegriffen hatte. Nein, ganz so einfach ist es nicht: Gebet nach oben – Antwort nach unten. Sofort. Und mir genehm und passend. Ich habe den dringenden Verdacht, dass es da auch ein paar „Spielregeln“ gibt, um Antworten zu hören oder zu erleben.

Und: Das Problem ist nie Gott, sondern das sind wir Menschen, warum manches in der Kommunikation mit dem Himmel nicht „funktioniert“.

Zurück zu David. Der hatte damals nicht umsonst seine grossen Ohren. Woher ich weiss, dass die gross waren? Na ja, weil er sie verstärkt auf Gott ausgerichtet hatte. Empfangsbereite Ohren. Und tatsächlich, als dieser König aus Israel sein Problem Gott mitteilte, bekam er am selben Tag auch noch die Antwort.

Nebenbei: Nicht immer in derselben Minute, in der wir Gott um etwas bitten, antwortet er. Ein bisschen Geduld möchte schon sein…

Kraftvermehrung

Die Antwort Gottes war (diesmal) nicht, dass er Davids Feinde vernichtete. Dass er sein Problem löste. Diesmal wählte der Weise im Himmel ein Powerpaket aus, um seinem irdischen Diener einen deutlichen Kraftzuwachs zu verschaffen. Und das Ganze fand in der Seele des Psalmisten statt.

David bezeugt die Gebetserhörung als Realität. Schliesslich hatte er es in seinem Inneren, in seinem Denken, im Fühlen ganz klar verspürt, wie da neue Sicherheit im Denken, neue Gewissheit auf Gottes Allmacht und Liebe ihn durchströmten.

Dass Gott die Kraft meiner Seele vermehren möge, das wünsche ich mir auch. Denn wenn das geschieht, dann kann ich gelassener den Anforderungen des Alltags begegnen. Dann kann ich erleben, was Gott versprochen hat:

„Im Stillesein und Vertrauen wird deine Stärke sein“(Jes. 30,15).

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