Es ist ein Dauerbrenner. Das Thema „Älterwerden“.

Es heisst: Alt werden wollen alle, alt sein will keiner.

Und tatsächlich, manch eine(r) hat einen ziemlichen Horror vor steigenden Jahreszahlen. Ich weiss noch, als vor etlichen Jahren ein Zwillingspärchen entsetzt meinte, als sie fünzig wurden: „Nein – wir können dieses Zahl gar nicht hören. Fürchterlich, so ein Alter!“ Sie haben diese Altersgrenze recht gut überstanden, werden demnächst 60. Mal sehen, wie ihre Nerven dann mitspielen, wenn es ans Feiern geht…

Normal

Mir selbst hat es bisher wenig ausgemacht, das Älterwerden. Ich war gerne 17 Jahre alt (war herrlich unbekümmert in der Rückschau, diese Zeit). Aber es war auch schön mit 31 (fünf Kinder in der Wohnung und Fernstudium hinter mir). Aber egal, welche andere Zeit ich jetzt auflisten würde – ich war immer gern so alt, wie ich gerade war.

Nein, den Wunsch, wieder jung zu sein, hatte ich eigentlich nie. Es war damals eine besondere Zeit. Und damit gut. Was hätte ich davon, mein Leben als Zweitauflage nochmal zu durchleben? Gut – einige Fehler würde ich sicher nicht ein zweites Mal begehen. Aber sicher dafür andere…:-)

Auch meine jetzige Dekade (bin Mittfünfziger) hat viel Vorteilhaftes. Ich brauche keine kleinen Kinder mehr zu erziehen. Sondern kann z.B. die Enkelkinder ganz anders geniessen, als unsere Kinder damals und sie wieder abgeben (das erzählen viele Grosseltern, nicht wahr?). Ich muss mich nicht mehr zu allen Themen äussern, respektive kämpfen. Ein Stück Gelassenheit und Lebenserfahrung prägen Spontanaktionen (oder verhindern sie).

Aber…

Ehe ich ins Schwärmen gerate – es gibt auch Nachteile. Die Lesebrille gehört schon lange zur täglichen Ausstattung. Und das Suchen nach ihr auch. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sinken mit zunehmenden Alter. Das ist einfach so. Die vorige Generation (Eltern, Onkels, Tanten) verlassen langsam das gewohnte Kommunikationsumfeld, sie sterben dahin. Und es tauchen auch erstmals Gedanken auf, dass man selber als Nächster sich dem Thema Tod stellen muss, sollte. Die Rentenansprüche werden endlich mal geklärt, ein Testament geschrieben und bei den „Papieren“ abgelegt. Und – Hauptthema – die Gesundheit ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

Hier eine Operation, dort ein Dauerschmerz. Gelenke fangen an zu knacken und Körperregionen, die man bis dato nicht kannte, erinnern schmerzlich ans Altern. Aber – auch das ist nun mal so. Keine Maschine, kein Auto, keine Pumpe hält für immer. Verschleisserscheinungen gehören dazu.

Verjüngungskuren?

Manch eine(r) fängt in dieser Phase dann an, Hilfe zu suchen. Es muss doch etwas geben, das diesen Prozess aufhält, verlangsamt! Da wird gepudert, gestylt, klammotiert (gibts das Wort für einen mit Kleidungsstücken auf Jugendlichen machen?), gespritzt oder was auch immer. Jünger wird man dadurch aber nicht.

Ich hatte mich lange schon mit den grauen Haaren abgefunden. Aber kürzlich, bei einem Treffen mit meinem fünf Jahre älteren Bruder, sah ich auf den Fotos im Vergleich, dass seine Haare noch viel dunkler waren als meine. Irgendwie machte mir das zu schaffen. Ich weiss, das ist blöd und Menschen haben wirklich ganz andere Sorgen. Aber so war es halt. Wieder ein Anzeichen, dass Älterwerden auch seine Schatten, oder seine Grauseiten hat.

Da hilft dann nur ein altes Gebet, welches schon die Sänger im alten Israel dichteten:

Auch im Alter, Gott, verlass mich nicht, und wenn ich grau werde, bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen. (Ps. 71,18)

Und genau das ist meine Hoffnung. Nicht nur für mich – bei mir ist es ja nur die Prostata und die grauen Haare. Aber letztere stehen ja als Synonym fürs Altwerden.

Gottes Versprechen

Ausser den eigenen Gebeten – also den vertikalen Ruf von unten nach oben, gibt es das Ganze auch noch in der umgekehrten Richtung. Als Versprechen und Zusage des Allmächtigen:

Ich bleibe derselbe; ich werde euch tragen bis ins hohe Alter, bis ihr grau werdet. Ich, der Herr, habe es bisher getan, und ich werde euch auch in Zukunft tragen und retten. (Jes. 46,4)

Na, das ist doch was! Banken wanken, Politiker sind zunehmend ratlos, Ressourcen schwinden. Nichts ist beständig. Und Ängste schleichen sich ins Denken ein.

Wie soll es werden, meine finanzielle Versorgung, wenn der Rententopf leer ist? Der Generationsvertrag nicht mehr funktioniert? Das Pflegeheim nicht zu bezahlen ist? Man den Kindern nicht auf der Tasche liegen will? Man Alzheimer bekommt? Nicht mehr ganz dicht ist?

In dem Versprechen oben hat Gott keine Einschränkungen gemacht, keine Ländergrenzen festgelegt. Seine Zusagen gelten unabhängig von Klimakatastrophe, Demografie oder Weltuntergangsstimmungen. Für Völker und Einzelpersonen. Eben auch mich. Oder dich.

Kopf hoch!

Darauf will ich vertrauen. Und dass man, dass ich IHM vertrauen darf, das hat er sich schon unzählige Male in meinem bisherigen Leben bewiesen und verdient.

P.S.
Also breche ich das gerade begonnene Experiment ab, meine Haare wieder einzudunkeln mit diesem Haarwaschmittel. Und lasse sie weiter grauen, wie es eben normal ist in meiner Altersklasse.

Und ausserdem will ich meinen grauen Kopf gerade nach oben halten – damit er mich auch deutlich wahrnimmt und an sein Versprechen erinnert wird: „Ich werde dich tragen, auch wenn du grau wirst…!“


Advertisements