Es war in einer recht romantischen Kirche: Die Trauzeremonie nähert sich dem Höhepunkt. Darin inklusive auch – ein sehr schöner Brauch – das gegenseitige Eheversprechen des Brautpaares. Keiner weiss vorher vom Anderen, was der formulieren wird. Und dann fängt sie an:

Mein Liebster,

ich bin Gott so dankbar, dass ich heute hier mit dir stehe.


Du bist ein ganz großes Geschenk für mich und die Antwort auf viele Gebete :-).


Ich fühle mich so wohl und geborgen, wenn ich mit dir zusammen bin. Du nimmst mich so an wie ich bin und schätzt mich wert. Du bringst mich immer wieder zum Lachen und hörst mir zu, wenn ich reden muss. Du sagst so viele hilfreiche Dinge oder nimmst mich einfach in den Arm, wenn es nötig ist. Vor allem aber schätze ich, dass du dich mit deinem Leben Gott anvertraut hast und mit ihm leben willst.


Darum möchte auch ich mich dir heute anvertrauen mit allem, was ich bin.


Mit Gottes Hilfe will ich dir mein Leben lang treu sein. Ich will zu dir stehen, auch wenn andere gegen dich sind und dich nicht verlassen, auch wenn es schwierig wird. Ich will dich vielmehr lieben und für dich da sein, wann immer du mich brauchst. Ich will dich unterstützen wo du gefordert bist und dich respektieren wo du anders bist als ich. Ich will dich trösten, wenn du traurig bist und dich ermutigen, wenn du unsicher bist. Gemeinsam mit dir möchte ich Gott besser kennen lernen und lernen, Ihm in allem zu vertrauen.

Ich liebe dich.

Daraufhin nimmt er seinen Merkzettel zur Hand und fängt ebenfalls, langsam und deutlich an, ihr zu sagen, was er für sie fühlt, ihr versprechen will:

Meine Liebste,

ich liebe dich!

Als ich dich kennen gelernt habe, hat mich am meisten an dir deine Beziehung zu Gott beeindruckt, wie du mit Jesus an deiner Seite durchs Leben gehst, wie du Entscheidungen triffst und wie du dich und dein Leben von Jesus beeinflussen und verändern lässt.

Ich liebe deine Art, wie du mit Menschen umgehst, wie du mit mir umgehst, wie du mich ermutigst, wie du mir deine Liebe zeigst und dass du mir gegenüber so ehrlich und offen bist und dich nicht versteckst.

Ich liebe dich so, wie du bist und wie ich dich kennen gelernt habe und ich verspreche dir, dass ich alles tun werde, was in meiner Macht steht, um dich bis an mein Lebensende zu lieben, so, wie du gerade bist.

Ich werde dich als eine Frau nach Gottes Herzen ehren, dir treu sein, versuchen, dich nicht verändern zu wollen :-), und an deiner Seite mit dir durch Dick und Dünn gehen.

Und ich verspreche dir auch, das mit Gottes Hilfe zu tun, mit Seiner Liebe, mit Seiner Kraft und mit Seiner Weisheit, weil du das Beste verdienst!

Ich liebe dich!

Sie schauen sich an, beide strahlen. Umarmung. Küssen unter tosendem Beifall. Einfach schön.

Und später?

Als Festgast nimmt man ihnen diese Versprechen ab. Sie meinen es ernst. Das ist nicht nur ein „Programmpunkt“, der sich im Festablauf gut macht. Hinter den Worten und Fomulierungen steckt Ernsthaftigkeit. Der feste Willen, das Seine dazu zu tun, damit diese Ehe gelingt.

Mancher hat schon gute Worte gefunden, um bei der Hochzeit so ein ähnliches Versprechen abzugeben. In der Hoffnung, dass das ehrlich Gesagte bis zum Rest des gemeinsamen Lebens anhält. Und dann kam – irgendwann – irgendwie – die Erosion in die Beziehung. Von Liebe und Kreativität war immer weniger die Rede. Die Gespräche wurden sachlicher, die romantischen Überraschungen, schon längst zu seltenen Anlässen geworden, langsam gestorben. Und nicht immer ist ein neuer Partner im Spiel, aber der Alltagstrott löscht die ehemals lodernden Flammen immer mehr aus.

Im günstigsten Fall geht die Trennung dann ohne Rosenkrieg vonstatten. Aber oft äussern sich die Verletzungen in Kampf, Gerichtsverfahren, schmutziger Wäsche. Kein Wort mehr von all den Komplimenten und Versprechungen der damaligen kirchlichen Feier…

Ehe-TÜV

Paare, die einige Lebenserfahrung haben, wissen, dass Wasser immer bergab läuft. Die tun was gegen den Trott, gegen die Alltagsroutine. Sie reden darüber, planen übers Jahr immer wieder Stunden der Zweisamkeit ein (und finden entsprechend auch Babysitter…). Bei ihnen muss die Frau auch nicht durch die Blume erwähnen, dass sie selbige gern mal wieder als Strauss im Wohnzimmer hätte. Und er freut sich über die Süssigkeit auf dem Kopfkissen im Schlafzimmer. Nicht nur im ersten Ehejahr, sondern auch noch nach dreissig gemeinsamen Jahren.

Solche Paare nutzen gemeinsame Events, um für sich dazuzulernen. Lesen Bücher darüber, wie denn genau der Andere so tickt und tauschen sich darüber aus. Lassen dem Partner und seinem Hobby, Freunden, Interessen genügend Freiraum – aber unternehmen auch gerne gemeinsame Entdeckungsreisen, innerhalb und ausserhalb der Wohnung. Gehen auch mal zu einer Paarberatung, aus gegebenen Anlass oder vorbeugend.

Das Eheverspechen

Und sie sollten dieses Eheversprechen gut aufbewahren. Und immer mal wieder hervorholen. Schauen – oder fühlen – ob sie jeweils noch hinter den damaligen Worten stehen. Oder ob unmerklich die Kraft der Worte und Empfindungen verblasst.

Christen dürfen ausserdem täglich um ein gutes Gelingen der Zweisamkeit beten. Egal, ob das Gegenüber dann langsam grauhaariger, faltiger und langsamer wird. Die Beobachtung stellt man ja bei sich selber auch fest. Und Gott – er ist nicht nur für die jungen, frischen, knackigen Ehen zuständig. Gottes Zusagen reichen für alle Lebensphasen, egal wie wir Menschen und unsere Ehen sich auch verändern mögen – sein Gnade ist jeden Morgen neu.

Schön wäre, wenn obiges Paar sich jährlich an die Aussagen damals in dieser romantischen Kirche erinnern und weiterhin ihr Versprechen vor Gott erneuern, diesen um neue Kraft, Inhalt und Liebe für die Ehe bitten. Dann wäre es damals kein „versprochen“ gewesen, sondern es bleibt ein Leben lang ein Versprechen. Für den Anderen. Und damit auch für sich selbst…

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