Sie standen kurz davor. Manche nannten es „Das gelobte Land“ – dort sollte buchstäblich Milch und Honig fliessen.

Im Rückblick hatten sie harte Zeiten hinter sich. Die Generation vor ihnen hatte die ägyptische Sklaverei buchstäblich am eigenen Leib erfahren. Und unsäglich gelitten. Bis dann dieser Retter auftauchte. Moses – der aus dem Wasser gezogene. Mit einem Mandat vom Allmächtigen.

Wenn die Alten erzählen

Und es hatte wohl funktioniert. So erzählten es die Alten am Lagerfeuer in den kalten Wüstennächten, aber mit heisser Stimme. Tolle Sachen waren passiert. Auf der Flucht hatte sich sogar das Schilfmeer geteilt. Die Wasser standen wie Mauern, als das Millionenvolk vor den Feinden in Sicherheit gebracht wurde. Aber auch später bei feindlichen Überfällen, Hungerzeiten, Wassermangel – Gott hatte, immer wieder, für einen Ausweg gesorgt. Wunder waren etwas alltägliches.

Aber jetzt war diese ganze Generation gestorben. Neue Leute in Verantwortung. Die Aufgaben neu verteilt. Und auch neue Herausforderungen. Eben dieser Jordan, der sie alle vom verheissenen Land, welches zu ihrer Heimat werden sollte, noch trennte. Und er führte Hochwasser, war nicht so ein kleines Bächlein. Wie sollte man da hindurchkommen?

Gott ist immer derselbe

Josua, diese charismatische Führungsfigur, gab den Auftrag zum Aufbruch. Die Bundeslade sollte voran gehen, das Volk in gebührendem Abstand folgen. Wo waren die Brücken? Die Pontons? Die Umgehungsroute? Nichts dergleichen weit und breit zu sehen.

Ein Wunder muss her

Josua rechnete ganz vehement und praktisch denkend mit dem Eingreifen Gottes. Also gab er den Priestern den Befehl, loszulaufen. Was denn mit dem Wasser wäre? Darum würde sich Gott schon kümmern, sie sollten einfach gehen…

Eine schwierige Situation! Unüberwindliche Widerstände, keine Lösung in Sicht. Wie so oft im Leben. Aber der Glaube rechnet mit dem Toyota-Prinzip (was die wiederum auch nur aus der Bibel kopiert haben): „Nichts ist unmöglich!“

Jetzt kommen die Träger der Bundeslade, die Priester, ans Ufer. Vielleicht stocken sie. Vielleicht drängen die hinteren zum Weitergehen und die Vorderen haben Sorge um ihre Sandalen, dass sie nass würden.

Von Josua war da übrigen im Moment nichts zu erwarten. Durch diese Situation mussten die Priester selber durch.

Fussohlen kontra Wasserflut

Vielleicht war ja einer der Vorderen echt glaubensstark und mutig. Und machte den ersten Schritt? Vielleicht waren sogar die zwei oder drei da vorn sehr vertrauensvoll – man weiss es nicht genau. Die Bibel berichtet:

und als die, welche die Lade trugen, an den Jordan kamen, und die Priester, welche die Lade trugen, ihre Füße am Flußrand in das Wasser tauchten (der Jordan aber war überall über die Ufer getreten während der ganzen Zeit der Ernte),

da stand das Wasser, das von oben herabkam, aufgerichtet wie ein Damm, weit entfernt bei der Stadt Adam, die neben Zartan liegt; aber das Wasser, das zum Meer der Arava hinabfloß, zum Salzmeer, nahm ab und verlief sich völlig. So ging das Volk hinüber vor Jericho. (Josua 3, 15-16)

Und im Gehorsam, im Gehen des ersten Schritt auf das Wasser, ins Wasser hinein – weicht es zurück und 25 (!) Kilometr weiter nördlich staut es sich an. Von ihrer Warte konnten sie das gar nicht sehen. Aber Gott „wunderte“ auf seine Weise mal wieder.

Der erste Glaubensschritt

Später erlebt Petrus etwas Ähnliches. Er sieht Jesus auf dem Wasser laufen und ist bereit, sein schützendes Boot zu verlassen. Aber dazu musste er schon sein Bein über den Bootsrand schwingen und das andere nachziehen. Und auf Wasser stehen. Und gehen.

Wir können viel darüber theologisieren, austauschen, Theorien entwickeln. Sowohl die Priester am Jordan als auch Petrus auf dem See Kinnereth – sie beliessen es nicht bei der Theorie, bei ihrem Wissen über Gott. Sie glaubeten Ihm und machten den Test.

Grosses Kino – toller Alltagsglaube.

Ich denke, wir sollten in der heutigen Zeit wieder neu lernen, Glaubensschritte zu gehen. Nicht das Wissen über Gottes Qualitäten hilft uns, wenn es gleichsam nur in der Schublade unseres Kopfes abgespeichert ist, sondern das mutige Vorwärtsgehen. An seiner Hand. Ihm entgegen.

Ich muss loslaufen – er ist für die Wunder zuständig!

Jeder (Glaubens)Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Welcher das bei dir ist? Laß ihn dir doch zeigen…

Vielleicht wirst du dann Deutschlands nächster „Superpriester“?

(Der Titel und die Grundanregung entstammen aus einer gehörten Predigt von Detlef Kühnlein, G5, über Petrus)

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