Kennen Sie Habakuk?
Klingt so fremd, altertümlich.
Ach, ein Name ist das? Ich hätte mehr eine historische Ausgrabungsstätte im Irak oder Indien vermutet.
Der soll aus der Bibel kommen…
Soll nicht, der kommt von daher – ist einer der kleinen Propheten.
Ja – und? Muss man ihn kennen?
Muss nicht, aber interessant ist der Typ allemal.
Und man kann von ihm lernen.
Ach? Was denn?
Der hat damals schon gebloggt, seine Erlebnisse und Erfahrungen einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt…
 
Habakuk 2 (LUT)
1 Hier stehe ich auf meiner Warte und stelle mich auf meinen Turm und schaue und sehe zu, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe.
2 Der HERR aber antwortete mir und sprach: Schreib auf, was du geschaut hast, deutlich auf eine Tafel, dass es lesen könne, wer vorüberläuft!
3 Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben.
4 Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
 
Erst fragen – dann türmen
 
Letztens las ich sie wieder, die ersten vier Verse in seinem zweiten „Blogbeitrag“. Und fand sie spannend! Habakuk hatte viele Fragen. Und ging damit an die richtige Adresse. Gott sollte ihm doch antworten, ihm erklären, wie sein politisches Umfeld gerade einzuordnen wäre.
Gott Fragen stellen – natürlich darf man das. Wer sollte denn sonst kompetente Antworten geben? Wie die Welt tickt. Wozu Leid zugelassen wird. Wohin und wofür ich mich entscheiden soll…
Gott verträgt auch kritisches Hinterfragen. Wenn ich frustriert bin. Haltlos. Keinen Durchblick mehr habe. Unter Ablehnung und Verfolgung leide.
Und wird antworten. Zu seiner Zeit. In seiner Art, die meiner entspricht, die ich verstehe.
 
Habakuk hatte das alles, was ihn umtrieb, loswerden können.
Um die Antwort zu bekommen, benutzt er einen Trick, eine alte Weisheit: Um Gott zu hören, musst du aus dem Alltag ausbrechen. Dir ein ruhiges Plätzchen suchen. Am besten noch erhöht – dann ist man Gott näher, nicht so abgelenkt vom sonstigen Handyklingeln und Kindergeschrei.
Habakuk ging aus seinem Wohnhaus hinaus, an die Stadtmauer. Und stieg auf einem Wachturm. Dort hat man eine weite Sicht. Und ist um ein paar Meter Gott näher. Dort wollte er auf die Antwort Gottes warten. Wollte sehen, was Gott ihm sagen würde. Hören durch sehen – auch eine der vielen effektiven Methoden Gottes, um seine Gedanken zu vermitteln.
Und noch eines: Der Prophet war sich sicher, dass Gott seine Klagen, seinen Frust gehört und wahrgenommen hatte. Und darauf antworten würde.
 
Schreiben
 
Habakuk war nicht nur Seher (Prophet), sondern auch Schreiber. Zumindest empfiehlt Gott ihm diese Methode der Datensicherung. Er bekommt von Gott beides: Eine Vision (Nachricht, Botschaft) und den Hinweis, es festzuhalten. Und zwar so deutlich, dass selbst Vorübergehende das im Laufen lesen könnten. Dazu musste der Prophet in deutlichen Buchstaben schreiben.
Wir haben es da heute leichter – wir könnten einen Beamer benutzen und eine grosse Leinwand, damit Menschen im Vorübereilen trotzdem noch die Botschaft mitbekommen.
Und noch einen Nebeneffekt hatte das Auschreiben der Botschaft für Andere: Der Text war damit der Prüfung von anderen Menschen ausgesetzt. Das gilt ja auch heute noch, wenn Gott zu Einzelnen spricht, dass wir „alles aber prüfen sollen, und das Gute festhalten“ (1Thess 5,21). Das Gehörte oder Gesehene muss immer mit dem geschriebenen Wort – der Bibel – übereinstimmen und darf nicht den Aussagen der Schrift entgegenstehen.
 
Zeitfrage
 
Gott antwortet auf Habakuks Fragen. Toll! Aber er bittet ihn auch um Geduld. Manchmal werden ja in der Bibel Verheissungen sofort erfüllt. Aber ziemlich oft dauert es eine unbestimmte Anzahl von Tagen, Monaten oder Jahren, bis Gott eingreift. Für Gott ist das kein Problem. Er hat sowohl genügend Zeit als auch den Masterplan, wann was passieren wird und soll. Nur wir Menschen möge nicht warten. Stichwort: Ungeduld.
Hier weist Gott darauf hin, dass er als „Wegzehrung“, als Ermutigung zwischendurch diese Botschaft vermittelt, dass er eingreifen wird. Nur in seinen Terminkalender – da lässt er seinen Diener nicht schauen. Da bittet er einfach um dessen Vertrauen.
Wer Gott näher kennt, weiss, dass ER dieses Vertrauen verdient. Seine Zusagen, seine Versprechen hat er noch immer eingehalten. Allerdings zu seiner Zeit…
 
Leben aus Glauben
 
Und noch einen Ratschlag bekommt der wartende und hörende Prophet: Halsstarrige bekommen Herzschmerzen. Sind unruhig. Werden getrieben.
Aber wer Gottes Worten Glauben schenkt, wer ihm vertraut – der wird Leben bekommen. Ewiges bei dem Vater im Thronsaal.
Aber auch qualitativ hier schon während der Warte- und „Ausbildungs“zeiten.
Vertrauen auf Gottes Zusagen sind lebens-notwendig. Bringen Substanz und Ewigkeitscharakter in unseren Alltag. Machen das Denken und Empfinden wertvoll, weil unabhängig von Menschenmeinung.
 
Ja, die Turmszene von Habakuk spricht Vieles in mir an…! 
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