Es ist doch eigenartig, wie das Leben manchmal verläuft. Gestern noch intensives, vollgepacktes Programm – heute Klosterstille und Abgeschiedenheit.

Ich habe – wie wohl ganz viele interessierte Bürger – in den letzten Wochen verfolgt, wie sich die Causa Wulff entwickelte. Vom recht jungen Bundespräsidenten mit den vielen Präsentationsaufgaben zu dem Politiker, der manche Handlungen nicht wirklich einer breiten Öffentlichkeit erklären wollte. Oder konnte.

Medien

Erst mal „auffällig“ geworden, stürzten sich die Medien, vielleicht sogar mit einem Schuss Genugtuung, auf den (vielleicht) Gestrauchelten. Irgendwie ist das eine perverse Tendenz der heutigen Zeit: Sündenböcke suchen und wenn gefunden – sie zu demontieren. Um der eigenen Fehlerhaftigkeit nicht ins Gesicht schauen zu müssen? Und dann wird gebohrt, gesucht, nachgefragt, angeklagt.

Sie wussten sicher, dass es nicht einfach werden würde, damit umzugehen. Schliesslich haben Sie lange Jahre Politerfahrung in den obersten Rängen. Aber es dann an sich selbst zu erfahren – und sich nicht oder kaum wehren zu können, das muss hilflos machen.

Zapfenstreich

Letztlich wurde ein Staatsanwalt Ihr Stolperstein. Aber es hätte auch anders gehen können. Für Sie. Für die Republik. Wenn Sie vorher gesagt hätten: „Ich höre auf. Ich habe Fehler gemacht.“ Sicher wäre es dann ein anderer Abschied vom Amt gewesen. Und nicht so eine unwürdige Handlung. Auf der einen Seite die militärische Zeremonie (Ob wohl viele Menschen im Land wissen, was der grosse Zapfenstreich für eine Bedeutung und Tradition hat?) und von aussen das Tröten der Vuvuzelas und Trillerpfeifen. Das passt weder für diese Staatszeremonie noch für unser Bild als Land nach aussen. Irgendwann muss es auch mal zu Ende sein mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen…

Autogramm

Ich habe am 17. Februar auch Ihre kurze Rücktritterklärung live verfolgt. Kurz danach bestellte ich auf der Seite des Bundespräsidenten eine Autogrammkarte von Ihnen. Obwohl Sie da – strenggenommen – schon eine Stunde nicht mehr im Amt waren. Irgendwie fand ich die Idee gut, wusste aber nicht wirklich, warum ich das tat…

Jetzt liegt Ihr Foto mit Widmung vor mir auf dem Schreibtisch. Ich sehe Sie an. Und Sie mich. Irgendwie schafft das eine gewisse Beziehung. Und ich denke an den Menschen Christian Wulff, den Mann. Vater. Ehemann. Und denke, Ihnen täte Gebet gut. Darum will ich mich in der nächsten Zeit einreihen in die Gruppe derer, die unabhängig von ihrer politischen Meinung oder auch der Ansicht, wie weit ein Politiker Vorzüge geniessen darf – einfach für Sie beten.

Kloster

Nun lese ich gerade, dass Sie sich zurückgezogen haben. In ein Kloster. Stille. Besinnung. Zur Ruhe kommen. Das wünsche ich Ihnen, denn auch gesundheitlich sind Sie angeschlagen. Das hat man gelesen. Und auch bei Ihrem kürzlichen letzten Auftritt in Schloss Bellevue gesehen. Erholen Sie sich von den Angriffen von aussen. Und von den Selbstvorwürfen, mit denen Sie als gläubiger Mensch auch konfrontiert sind.

Aber vor allem wünsche ich Ihnen, dass Sie DEM begegnen, der Sie durch und durch kennt. Und Sie so annimmt, wie Sie sind. Vor Ihm müssen Sie kein Pokerface aufsetzen, nicht die Worte bedachtsam wählen. Vor ihm können Sie einfach der Christian sein. Ohne Bürde einer Stellung. Ohne Vorwürfe des Amtsmissbrauchs. Eben einfach Christian.

Und ich wünsche Ihnen dabei, dass er Sie mit neuer Kraft, neuem inneren Leben ausstattet und Sie dabei den Frieden im Herzen zurückgewinnen, der Ihnen sicher in letzter Zeit abhanden gekommen ist.

Der Allmächtige segne Sie!

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