Irgendwie ging es auf einer Website um ein Gemeindethema. Das kann man herrlich kontrovers diskutieren. Und sicher hat jeder – von seiner Warte aus – ganz originelle Ideen für was Neues. Oder auch Argumente, warum die bestehende Kirche / Gemeinde, die er kennt, so fehlerbehaftet ist.

Aber: Man kann ja auch selbst aktiv werden, wie folgender Kommentator meint:

„Hmmmm, ehrlich gesagt würde ich am liebsten eine Kirche gründen die sich nur nach der Bibel orientiert, und in der man auch nur aus der Bibel vorliest.
Irgendwie gibt es mir heutzutage zu viel Mischmasch (Sonderlehren) in den Gemeinden, das verwirrt ein wenig, finde ich.“

Vielleicht hat ER (naja, es könnte ja auch eine SIE sein) ja Recht mit seinem Wunsch nach einer reinen Bibel-Kirche. Dann wäre alles einfacher, deutlicher, klarer.

Wäre es das?

Selbst wenn in einer Kirche „nur“ Bibel gelesen würde, stellte sich aber auch da die Frage: Welche Übersetzung / Übertragung würde man benutzen? Und welche Bibelabschnitte kämen zum Rezitieren: Mehr die Gerichtspassagen, die Gottes Heiligkeit hervorheben oder mehr die ermutigenden und tröstenden Abschnitte? Lesen wir nur die Psalmen? Oder aus dem Alten Testament? Andere würden das Neue Testament vorschlagen – schliesslich leben wir nicht mehr unter Gesetz. Und schon kann die „Kirche“, die es ja nicht als Person gibt, sondern die aus Menschen besteht, wieder herrlich kontrovers diskutieren…

Damals

Ein ideales Gruppenverständnis hätte es ja zur Zeit Jesu geben müssen. Der Chef selbst war direkt dabei! (Allerdings hat er keine Kirche gegründet – die entstand erst zu Pfingsten). Aber auch da gab es unter den Jüngern, also dem intimsten Kreis der Gläubigen, die ganz dicht am Gottessohn lebten, jede Menge Meinungsverschiedenheiten. Der eine war mehr der Revolutionär, der nächste ein rauher Fischer, ein anderer wieder ein ganz Lieber, der immer in Jesu Nähe sein wollte. Sie hatten handfeste Diskussionen. Und mussten sich auch der Kritik vom „Chef“ aussetzen, dass sie, trotz mehrmaliger Wiederholungen seinerseits, die wichtigsten Grundsätze nicht oder nur teilweise verstanden hätten. Also – auch unter idealen Leitungsvoraussetzungen durch den Herrn Jesus brechen die Eigenheiten und Charaktere seiner Mitarbeiter immer wieder durch.

Geprägt

In jeder neu zu gründenden örtlichen Kirche, aber auch in den bereits bestehenden, gibt es unterschiedliche Menschen. Es gibt die Leitertypen, die Prozesse und Entscheidungen anstossen und /oder durchführen. Nach ihrer Überzeugung, nach ihrem „Gewordensein“. Wenn ihre Kindheit und Jugend unter strengen Eltern verlief, dann kann es gut sein, dass sie dieses Prinzip auch in ihrer Gemeinde anwenden werden. Ihre Welt tickt nun einmal so, wie sie es selbst gewöhnt sind. Wenn es „Freiheitstypen“ sind, die eine Kirche leiten, dann wird sich diese Freiheit und Toleranz auch im Umgang mit ihren Kollegen bzw. den Kirchenbesuchern zeigen. Und eine Leiterschaft hat nicht nur eine grosse Verantwortung für ihr Tun, sondern prägt auch die Menschen einer Gemeinde. In die Richtung, die sie selbst als gut, nützlich und wahr erkannt haben. Und nach ihrem derzeitigen Kenntnisstand des geistlichen Bereiches. Der in einigen Jahren wieder verändert sein kann – Stichwort Wachstum.

Und Gott?

Selbst unsere Gottesbilder sind so unterschiedlich, obwohl wir – vielleicht – dieselbe Bibel lesen. Jeder hat seine Lieblingsstellen, -figuren, -gleichnisse, -handlungen Gottes. Und dort sieht er Gottes Wirken auf seine besondere Weise. Mancher sieht grössere Zusammenhänge, anderen wieder ist wie bei Nebel ein gewisser Überblick verschwommen geworden. Oder  wir sind kurzsichitg. Und aus der eigenen – subjektiven – Wahrnehmung der Bibel, des Wesens Gottes schmieden wir uns tatsächlich jeder seine eigenen Anschauungen zurecht. Der eine erlebt den Allmächtigen als Notfall-Gott, der nächste sieht mehr, dass Er Leistungen honoriert. Ein anderer ist bewegt von der Gnade des Herrn und wieder ein anderer erlebt diese Eigenschaften im Wechsel…

Und was funktioniert?

Ich glaube (…das ist auch wieder so etwas Subjektives…), dass Kirche tatsächlich besser gelingen kann, wenn wir – und das heisst alle, „Profis“ und „Laien“ – in erster Linie auf eine ununterbrochene Leitung zum Himmel Wert legen. Regelmässige Kontakte mit Gott im Gebet zu ihm und im Hören auf seine Antworten lassen die Gemeinschaft nicht zur Einbahnstrasse werden. In dieser engen Beziehung wird der Geist Gottes, der auch ein Geist des Friedens ist, den Vielen in einer Gemeinde seine speziellen Absichten klarmachen. Es gibt kein Ausspielen von persönlich geprägten Ansichten mehr.

Und ein gutes Miteinander war schon zu biblischen Zeiten ein fruchtbares Mittel zum Wachsen und Expandieren. Hören auf den Anderen. Den Nächsten höher achten als sich selbst. Besser einander zuhören als einander zutexten. Und so einen gemeinsamen Weg für die nächsten Schritte erbeten und herausfinden im Gespräch und gleichwertigem Abgleich.

Das könnte eine Kirche sein, die funktioniert. Dazu muss man keine neue gründen…

 

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