Es ist schon eigenartig mit den Medien: Erst berichten diese tagelang über Ihren Schritt in die Öffentlichkeit. Sie haben Alzheimer! Und sogar ein Buch darüber geschrieben!

Aber dann dreht sich der Globus weiter, neue Ereignisse bestimmen die Titelblätter der Gazetten. Whitney Houston stibt mit 48 Jahren. Der Winter beherrscht Europa. Die Griechen sind noch mehr Pleite als auch schon…

Das Leben war spannend 

Doch Ihr Leben, Herr Rudi Assauer, verläuft nicht mehr von Höhepunkt zu Höhepunkt. Das war einmal. Sie, der Fussballermanager von Schalke, der Macher, Sie haben jede Menge „action“ erlebt. Das Leben war spannend, hat Sie gereizt. Sie haben aus ganzer Kraft gelebt.

Jetzt sind Sie 67 Jahre alt. Aber was heisst hier alt? In der heutigen Zeit bescheinigen uns die Demoskopen, dass Sie eigentlich noch viele Lebensjahre vor sich hätten. Eigentlich. Denn keiner weiss, wie alt Sie noch werden. Und wie die vor Ihnen liegende Zeit aussehen wird. Sie leiden ja jetzt schon darunter, dass Sie Vieles vergessen. Alte Freunde nicht mehr erkennen. Im Kopf wie blockiert sind.

Ohnmächtig

Diese Veränderungen, die Sie schon länger spüren, die machen etwas mit Ihnen. Angst kommt auf. Ohnmacht, dieser Entwicklung ausgesetzt zu sein. Und auch immer wieder Wut, nichts dagegen machen zu können. Vor zwei Jahren, als Sie diesen Test machen liessen, haben Sie nur die halbe Punktzahl erreicht. Da war es schon klar, dass Sie Ähnliches erleben und durchmachen würden wie Ihre Mutter, Ihr Bruder.

Vor so einer Diagnose hat wohl jeder Angst. Das würde mir auch so gehen. An Krebs haben wir uns alle schon fast gewöhnt. Es haben so Viele und die Zahl nimmt zu, die es in unserem Umfeld betrifft. Aber deutschlandweit gibt es inzwischen auch 1,3 Millionen Alzheimererkrankte. Die Zahl lässt erschrecken. Sie, Herr Assauer, machen darauf aufmerksam, wollen die Gesellschaft darauf sensibilisieren. Insofern hat Ihr Schicksal diesbezüglich einen Sinn.

Vergesslich – aber nicht vergessen

Ich weiss nicht, ob Sie ein gläubiger Mensch sind. Aber da mich ihre Situation ziemlich intensiv beschäftigt, muss ich auch öfters an Sie denken. Und da fielen mir zwei Aussagen aus der Bibel ein, die ich Ihnen gerne einmal zitieren möchte. Einmal redet Jesus über den Wert der unscheinbarsten Tiere, der Spatzen: 

Jesus sagt: „Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach? Man kann fünf von ihnen für einen Spottpreis kaufen. Und doch vergisst Gott keinen einzigen von ihnen.“ (Lukas 12,6)

Und ein anderes Mal spricht Gott selbst seinem auserwählten Volk zu, dass er sie nie vergessen würde, niemals!

Doch der Herr sagt: „Bringt eine Mutter es fertig, ihren Säugling zu vergessen? Hat sie nicht Mitleid mit dem Kind, das sie in ihrem Leib getragen hat? Und selbst wenn sie es vergessen könnte, ich vergesse euch nicht!“ (Jesaja 49,15)

Lieber Herr Assauer, ich wünsche von Herzen, dass Sie in Ihrem weiteren Leben – auf irgendeine Weise – erleben, dass Gott seine Versprechen hält. Auch wenn Ihnen vielleicht mehr und mehr Dinge aus dem Gedächtnis entschwinden und Sie immer vergesslicher werden.

Aber dass Sie trotzdem tief in Ihrem Herzen, in Ihren Gedanken, Gefühlen spüren, dass Sie bei IHM niemals vergessen sind.

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