In den letzten Monaten hatte ich, bedingt durch eine Erkrankung, mit vielen Ärzten und Pflegepersonal zu tun. Ich habe durchweg positive Erfahrungen gemacht – sowohl mit ihrer jeweiligen Fachkompetenz als auch mit ihrer Sozialpräsenz.

Wohin gehe ich?

In den vielen Stunden im Warteraum oder im Krankenbett ist mir mit der Zeit (wieder) etwas klar geworden: Wohin gehe ich im Allgemeinen zuerst, wenn ich ein Problem habe? Eigentlich eine ganz einfache Frage und so, wie ich meist reagiere, gibt es auch eine einfache Lösung dafür. Beispiele?

  • Auf der Nachhausefahrt geschieht mitten in der Nacht eine Kollision mit einem Reh. Nach dem Stopp (und dem ersten Schreck) greift man(n)/frau zum Handy und ruft Polizei und/oder Feuerwehr und/oder Förster an. Die geben gute Ratschläge oder kommen vorbei. Sie kennen das Problem. Haben oft damit zu tun. Und bieten gute Lösungen an.
  • In der Firma wird umstrukturiert. Jedenfalls munkelt man, dass Leute entlassen werden sollen. Ich versuche, mehr Informationen zu bekommen. Höre mich bei Kollegen um. Versuche, aktuelle News von Vorgesetzten zu bekommen.
  • Die Banken sind nicht mehr sicher. Man lässt sich anstecken, überlegt Alternativen, wo man sein Geld parken sollte. Fragt Bekannte. Konsultiert einen Finanzdienstleister – der muss es ja wissen…
  • Der Fleck auf der Haut des Oberarms ist neu. Unruhe macht sich breit. Und diese fiesen Gedanken: Hautkrebs. Anruf beim Hautarzt, ob er denn heute noch einen Termin frei hätte, es wäre dringend…

Und bei allen Fällen, wie geartet auch immer, sagt mir mein logisches Denken als Mensch: Geh zum Spezialisten, der wird dir weiterhelfen.

Spezialisten

Und was sagt der Christ in mir? Derjenige, der an Gott glaubt? Manchmal – wenn der Fachmann dann doch nicht (gleich) helfen konnte – manchmal gehe ich dann endlich ins Gebet. Will den göttlichen Beistand. Und höre doch fast Gott sagen:

„Ach, kommst du auch schon zu mir? Die Umwege hättest du dir sparen können. Denn ich bin Spezialist genug für jeden Lebensbereich! Na klar, habe ich ausgebildete Geschöpfe, die mehr Ahnung über bestimmte Fachgebiete haben als du, und die setze ich auch öfters als Hilfsquellen ein. Aber weisst du, ein wenig bin ich doch traurig, dass du Menschen mit begrenzten Möglichkeiten meinen unbegrenzten vorziehst. Und sie zuerst um Hilfe bittest…“

Und als ich das – siehe oben – wieder mal neu erfasst habe, da nahm ich mir vor, in Zukunft zuerst zu meinem himmlischen Herrn zu gehen und ihm mein Problem zu schildern. Ob er dann gleich selber hilft oder einige seiner Fachkräfte einsetzt, das will ich dann doch ihm überlassen. Aber damit, dass er in Zukunft – hoffentlich – wieder an die erste Stelle meiner Notrufnummernliste rückt, damit möchte ich ihn auch ehren.

Lukas

In unserem Firmengebetskreis erzählte ein junger Vater von einem kürzlichen Zwischenfall in seinem häuslichen Leben:

„Plötzlichhörte ich meinen jüngeren Sohn laut schreien. Und meine Frau rief auch um Hilfe. Schnell rannte ich ins Zimmer und sah, wie aus der Nase des Jungen ziemlich viel Blut floss. Er musste irgendwo gegengefallen sein. Während meine Frau versuchte, den Buben zu beruhigen und ich nach Tüchern rannte, um das Blut zu stillen, stand unser älterer Sohn Lukas mit ausgebreiteten Händen da und redete laut: „Herr Jesus, bitte – du kannst doch diese Blutung stillen. Ich bitte dich darum!“
Mich hat unser Lukas beschämt, berührt. Er hat genau das gemacht, was wir auch mehr tun sollten – Gott um Hilfe bitten. Und wir sollten wieder werden wie die kinder, die einen ganz einfachen Glauben haben und den im Alltag anwenden…“

Ja, wir sollten wirklich wieder wie Kinder werden. Diese Erzählung war wie eine Illustration zu meinen eigenen Überlegungen…

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