Kürzlich habe ich in meinem persönlichen Blog über einige Begegnungen hier bei der Anschlussheilbehandlung (Reha) berichtet. Darauf gab es auch eine recht deutliche Reaktion. Beides möchte ich auch hier kurz wiedergeben:

… Und jede Menge „Geschichten gibt es….

– Da ist der 60-er, der schon zum 5.Mal zur Reha kommt, weil in den letzten Jahren der Krebs von der Prostata in den Lungenflügel gewandert ist. Und jedesmal Operation und Bestrahlung. Nach der Ersterkrankung war er eineinhalb Jahre krankgeschrieben, das muss man erst mal, auch mental, verkraften.

– Da sind Frauen, deren Ehen scheiterten – und die hinterher krank wurden. Allein mit dem Übel. Und dabei sind sie oft so tapfer!

– Da ist die Enkelin eines berühmten Politikers, die heute mit 50 Jahren noch darunter leidet, dass ihre Eltern nie Zeit für sie hatten. Und dass in ihrem Leben oft ihr Name mehr zählte als sie selbst.

– Da ist der rustikale ältere Herr, der die Dinge klar beim Namen nennt. Aber auch schon 20 Jahre mit Krankheit zu tun hat, u.a. auch Teile der Zunge wegoperiert bekam, dazu hört er schwer …

– Da sieht man die Perücken der Frauen, hört von ihren Bestrahlungen, Schnittwunden, Heilunterbrechungen und dem oft schwierigen Umfeld zu Hause…

Darauf anwortete mir Mandy, die ich seit einiger Zeit kenne – und die in ihrem jungen Leben schon vieles erlebt und durchgemacht hat:

Wow. Du lernst Leute kennen, die Du sonst vermutlich nie getroffen hättest und das ist was ganz Besonderes.

Als ich damals immer zu ins Krankenhaus mußte und Bestrahlungen/Chemo bekam wegen dem Hirntumor… da ging ich durch diese Glasschiebeeingangstür ins Krankenhaus und dann: „Willkommen im Krebsland“: Das „draußen“ war auf einmal ganz weit weg.

Da schlappen die Leute rum, die mehr tot als lebendig aussehen.

Es gibt komischerweise immer genügend, denen es schlechter geht. Seltsamerweise guckte ich eher auf die, denen es schlechter ging. Das baute mich mich manchmal auf, dass ich dachte: „Hey, toll dass es mir nicht so schlecht geht.“ Und anderseits, da dachte ich: „Vielleicht bin ich auch bald da…“

Einmal saß ich da im Gang und mußte warten…. und gegenüber an der Wand war ein Bild zu sehen – Jesus am Kreuz.
Es war das erste Mal, dass mir das so brutal vorkam. Dieses Kreuz – ein Folterinstrument. Ein Mensch starb daran, brutal hingerichtet. Und wir? Wir hängen dieses Bild ins Wohnzimmer.
Ich konnte wahrscheinlich nur zum geringen Teil nachfühlen, wie es Jesus da ergangen sein muß.

An diesem Tag fühlte ich mich elend, ich hatte kurz vorher auf den Krankenhausflur gekotzt… was mir sehr peinlich war, auch wenn es für die Putzfrau mit ihrem großen Putzwagen wahrscheinlich Alltag ist… im Krebsland.
Jesus – er litt für uns… mit mehr Schmerzen, die wir je haben können. Der Hammer ist, er tat das freiwillig.

Das wurde mir an diesem Tag sehr bewusst und immer wenn ich dieses Bild vom Jesus am Kreuz sehe, dann denke ich zurück an den Krankenhausflur…. es ist gut, mal einen kleinen „Einblick“ in seine Welt werfen zu können.

Dieser Beitrag hat mich berührt. Und nachdenklich gemacht.

Und auch den echt komischen Gegensatz deutlich gemacht, was gerade „draussen“ so wichtig ist: Weihnachtmusik dudelt überall, der Festtagsbraten wird geplant, eine Betriebsfeier jagt die andere.

Und dann die Menschen im „Krebsland“, für die ganz andere Prioritäten gelten.

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