So ist das also, wenn man(n) Krebs hat…

Der letzte Bericht hörte ja mit dem Ergebnis der Biopsie und den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten auf. Schnell war klar, dass ein reines Abwarten (tatsächlich eine „Form“ der Behandlung, man tut nichts) für mich nicht in Frage kommt. Das kann man machen, wenn man viel älter ist. Auch Bestrahlung war keine wirkliche Option, obwohl es auch da schon erstaunliche technische Möglichkeiten gibt, z.B. die Brachytherapie (bei dieser Behandlung werden sogenannte Seeds eingepflanzt, radioaktive Partikel, die von innen die Krebszellen bestrahlen).

Wer? Was? Wo?

Mein Urologe erklärte mir, dass vor jeder weiteren Behandlung zuerst abgeklärt werden muss, ob irgendwo schon Metastasen vorhanden seien. Dazu musste ich im Radiologiezentrum Lörrach drei Untersuchungen machen lassen, die genau das abklären sollten. Thoraxröntgen, Becken-CT und Knochenszintigramm – alle für sich interessante Untersuchungen mit kompetentem Personal und nettem noch dazu. Um es kurz zu machen: Alle drei Untersuchungen ergaben keine Befunde. Also keine Metastasen irgendwo in den Lympfknoten oder Knochen! Eine gute Nachricht.

Der nächste Schritt würde sein, eine der vier Operationsarten als Favoriten zu wählen. Aber welche? Den klassischen Bauchschnitt? Den Schnitt von unten? Oder besser eine minimal-invasive OP? Oder dieselbe mit Computerunterstützung? Irgendwie fühlt man sich fast überfordert bei den heutigen Möglichkeiten. Und dann noch eine Ortswahl, denn nicht überall werden die gleichen Methoden angeboten.

Wir gingen wieder Schritt um Schritt. Zuerst fragte ich Gott, wohin wir gehen sollten – aber diesmal antwortete er nicht in der Art, wie ich dachte… Also besuchten wir zuerst einen Professor in unserer Gegend, den der Urologe empfohlen hatte. Es war ein gutes, informatives Gespräch. Aber – es „funkte“ nicht zwischen uns. Als wir (Brita und ich) wieder im Auto sassen, wussten wir, dass wir uns dort nicht operieren lassen würden. Das war ja auch eine Entscheidung, oder?

Meine Tante – von Beruf Urologien:-), allerdings im Ruhestand – konnte mir viele Fragen beantworten. Sie hatte auch einmal eine Liste von ihr bekannten Spezialisten geschickt, verstreut über Deutschland und die Schweiz. Aber wer sollte es von denen sein?

Da Vinci

Da rief mich ein Kollege aus meiner Firma an, der sich vor einiger Zeit aus gegebenem Anlass sehr intensiv mit Behandlungsmöglichkeiten auseinandergesetzt hatte. Und er wies mich auf die sogenannte Da-Vinci-Methode eines gewissen Dr. John in Winterthur hin. Dr. John? Der kam mir bekannt vor! Tatsächlich stand er ganz vorne in der Liste meiner Tante als Spezialist für computerunterstützte minimal-invasive Operationen! Hmm, war dies der erwartete Hinweis von oben? Am Samstag morgen telefonierte ich wieder mit meiner Tante, die ihn mir wieder wärmstens empfiel. Und meinte, ich solle ihm ruhig gleich schreiben – die Chefärzte würden am Wochenende meist ihre Büroarbeit erledigen. Also schrieb ich ihm eine Email und schilderte meinen Fall, bat um ein Gesprächstermin. Keine 24 Stunden später – Sonntag Mittag halb eins, antwortete er mir nett und erklärte sich zu einem Gespräch bereit. Seine Sekretärin rief dann auch gleich am Montag an – und eine Woche später sassen wir dann in seinem Arbeitszimmer im Kantonsspital in Winterthur.

100%

So ein Gespräch habe ich selten erlebt. Dr. John war ein vitaler, kompetenter und dabei sozialer Gesprächspartner – zwischen uns stimmte vom ersten Moment an die Chemie… Es war ein intensives, aufklärendes Gespräch, bei dem auch Fragen beantwortet wurden, die gar nicht auf unserer Liste standen. Es ging über nervenschonende Methoden, Folgen (für Männer ziemlich wichtiges Thema), Nachsorge, Klinikaufenthalt, Kosten usw. Und obwohl ich nur normal versichert bin (seit eineinhalb Jahren „zufälligerweise“ in der Schweiz), erklärte er sich bereit, die Operation selbst durchzuführen! Toll, einfach toll! Nach dem Abschied standen wir auf dem Parkplatz und wussten zu 100%: Der ist es! Und staunten mal wieder, wie Gott manchmal durch die Umstände führt…

Ende Oktober

Einen Termin konnte uns seine Sektretärin auch schon anbieten – den 28.10., das würde ein Freitag sein. Das würde zwar noch eine Weile hin sein, aber der Entscheidungsdruck war ja weg. Gutes Gefühl!

Interessant am Rande: Meine Tante fährt auch nach ihrer Pensionierung immer noch auf Kongresse, um am Ball zu bleiben. Zwei Wochen nach unserem Arztgespräch traf sie Dr. John in Hamburg beim diesjährigen Urologenkongress. Ich hatte ihm von ihr, und ihr natürlich von ihm erzählt. Und die beiden hatten ein kurzes gespäch über einen gewissen Patienten. Dr. John lud meine Tante sogar nach Winterthur ein. Da bin ich mal gespannt…

Anteilnahme

Mit der Zeit spricht sich natürlich auch meine Erkrankung herum, bzw. ich gehe damit offen um. Interessanterweise outen sich etliche Männer über ihre Schwierigkeiten und OP’s, die ich inzwischen gut nachvollziehen kann, da ich mir ja einiges Fachwissen angeeignet habe und „mitreden“ kann. Und es gibt auch immer wieder das Angebot, zu beten. Dafür sind wir natürlich sehr dankbar. Sogar meine alte Truppe der ehrenamtlichen Autoren von damals bei Jesus-Online meldete sich und jeder übernahm einen speziellen Gebetstag, an dem er/sie konkret für die OP usw. betet. Toll. Auch viele andere melden sich, zeigen Anteilnahme. Das tut einfach gut!

Kürzlich waren wir noch eine Woche in Ascona, den Urlaub hatten wir schon länger geplant. Und er passte in diese Zeit. Noch mal Sonne, gute Eindrücke, Natur, wandern.

Jetzt sind es noch etwas über zwei Wochen. Aber auch da wird der Herr hindurchhelfen.

Und auch danach. Ganz sicher, er hat es ja versprochen!

Bisher:
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(3) Jesus in Winterthur

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