Manche Bibel-Storys entdeckt man nicht beim ersten Lesen…

Leute gibt’s…

Tattenai – kennst du diesen Namen? Oder vielleicht Schetar-Bosnai? Noch so ein Zungenbrecher. Schon mal von einem der beiden gehört? Wahrscheinlich nicht, denn so bekannt sind sie eigentlich nicht. Aber vielleicht sind dir ja Serubbabel und Jeschua geläufiger? Das waren die Anführer, die Initiatoren zur Zeit Esras, den baufälligen Tempel wieder aufzubauen. Eine sehr gute Aktion damals – immer eine Schlagzeile in der Geschichte wert!

Aber auch nicht ganz unproblematisch, weil sie Gegenwind bekamen. Eben von Tattenai und Schetar-Bosnai und deren Anhängern. Denen war die ganze Restaurierungsbestrebungen zum jüdischen Tempels ein Dorn im Auge. Mit cleveren Intrigen versuchten sie, die Fortschritte zu torpedieren. Sie schrieben dem damaligen Weltherrscher – Darius – einen Brief, schilderten die Sachlage und hofften, dass dieser dem Ganzen einen Baustopp verfügen würde.

Namentlich

In voreilendem Gehorsam eruierten sie auch genau die Namen der Anführer, damit Darius diese dann auch bestrafen könne. Es heisst in Esra 5, 9-10: 

Wir aber haben die Ältesten gefragt und zu ihnen gesagt: Wer hat euch befohlen, dies Haus zu bauen und diese Mauern zu errichten?
Auch fragten wir, wie sie hießen, damit wir es dir kundtäten und die Namen der Männer aufschrieben, die an ihrer Spitze stehen.

Das erinnert ein wenig an Zeiten, in denen man – aus welchen Gründen auch immer – Menschen aus der Gesellschaft bei Herrschenden angeschwärzt hat. Und nicht nur, dass von ihrem „Vergehen“ berichtet wurde. Nein, der König sollte auch gleich wissen, wen er denn dann genau  bestrafen müsse…

Dumm gelaufen

Darius handelte. Aber im Gegensatz zu den Tempelgegnern, die vielleicht eine soforte Bestrafung der Restauranten erwartet hatten, liess er sorgfältig recherchieren, was sein Vorgänger damals mit den Juden beschlossen hatte. Und tatsächlich – die Aufzeichnungen wurden gefunden. Und Darius wäre nicht Weltherrscher, wenn er die Entscheidungen seines Vorgängers nicht akzeptiert hätte. Also lässt auch er einen Brief schreiben, in dem er die volle Unterstützung des Tempelprojekts einfordert. Und sollte es da tatsächlich Baugegner geben, die sich nicht an seine Verfügung hielten, dann sollten sie hart bestraft werden:

Ferner wird von mir befohlen: Wenn irgendjemand diesen Erlass übertritt, so soll ein Balken aus seinem Haus herausgerissen und er daran aufrecht angeschlagen werden, und sein Haus soll um seiner Tat willen zum Schutthaufen gemacht werden. (Kap. 6,11)
Dumm gelaufen, könnte man sagen.
 
Gottes Augen
 
Aber man könnte auch sagen: Gott wacht immer noch über Menschen, die sich für ihn einsetzen. Und über deren Geschichte.

Aber das Auge ihres Gottes war über den Ältesten der Juden (Kap. 5,5)

Da mögen Menschen andere verraten, sie anschwärzen, schon mit ihrer Bestrafung rechnen – wenn Gott es nicht will, dann passiert ihnen auch nichts. Seine Augen wachen über seine Leute, damals und heute.

Mich hat diese Geschichte in der Geschichte (unbedingt nachlesen: Esra Kapitel 5 und 6!) wieder neu ermutigt, auch bei (falschen) Anklagen auf seine Weisheit und seinen Überblick zu vertrauen!

Advertisements