Was haben Tunnelbauer, unser Garten und gewisse Christen miteinander zu tun? Hier mal ein paar – nicht immer gaaanz ernst gemeinte Beobachtungen…

Unterirdisch

Eigentlich finde ich sie ja ganz interessant, diese Säugetiere aus der Ordnung der Insektenfresser. Ich schreibe hier von den Talpidae’s, den Tunnelbauern. Und den Hügelerrichtern.

Sie sind mir im Grunde genommen ganz sympatische Zeitgenossen, schaut man sich ihre unterirdischen Gangsysteme, ihre spezielle Anatomie, ihr Sozialverhalten an. Einfach mal was anderes – so unterirdische Tiere.

Sie wären mir auch weiterhin sympatisch, wenn ich nicht einerseits einen Garten mitten auf einer ziemliche grossen, wilden Streuobstwiese gepachtet hätte, in dem es ein paar Gemüsebeete, Blumen, Obstbäume und viel Rasenfläche geben sollte und andererseits, wenn dieses Erdgraber auch weiterhin unterirdisch und unsichtbar geblieben wären. Unsichtbar – jedenfalls für mich und in unserem Garten – bleiben sie ja, aber unterirdisch nur partiell. Immer wieder geben sie ihrem Bedürfnis nach, als „Erdwerfer“ zu fungieren, von woher eigentlich ihr Name stammt. Und sicher haben sie viele nützlichen Eigenschaften: Sie haben einen gewissen Anteil an der Bodenbildung, tragen zur Durchmischung der humosen Ah-Horizonte der Böden (Bioturbation) bei, verfrachten humusfreies Unterbodenmaterial nach oben und begünstigen die Durchlüftungen und Drainagen des Bodens.

Ärger

Aber sie fingen irgendwann an, mich zu ärgern. Sie selbst vielleicht nicht mal so sehr, aber ihre blöden Hügel, die sie überall aufrichteten. Mal kleiner, mal grösser. Plötzlich war nix mehr mit schnell mal Rasenmähen. Und entfernte man die Hügel nicht ordentlich, wuchs an den Stellen längere Zeit kein Gras mehr. Das sah nicht sehr schön aus.

Ich fing an, nachzudenken. Was könnte man gegen ihre Wühltätigkeit unternehmen? Gibt es gute Fallen, wo man die Viecher fangen kann (töten ginge nicht – sie stehen unter Naturschutz)? Dann könnte ich sie auf der anderen Strassenseite auf dem Golfplatz wieder aussetzen – sie würden sicher den Spielbetrieb dort aktiv prägen. Ich pflanzte Kräuter, die ihn vertreiben sollten. Wir gossen gewisse Duftstoffe in die Löcher der Gänge – die Viecher blieben. Und zwar aktiv. An manchen Tagen beseitigten wir 20 und mehr Haufen. Das nervt!!

Manchmal schimpfte ich laut. Aber das beeindruckte sie nicht wirklich. Unbeirrt wühlten sie sich unter meinen Füssen durchs Gartenleben. Dann fing ich an, sie wegzubeten. Aber das half auch nicht. Der Schöpfer, der ihnen diesen Lebensraum zugewiesen hatte, fühlte wohl mehr Verständnis für ihre Gattung, als für den Freizeitanspruch der Familie Meissner.

Aufgabe

Irgendwann gab ich innerlich auf. Hisste die weisse Flagge – und konnte fast das amüsierte Kichern unterm Grasboden hören. Aber das war mir egal. Ich musste einfach obacht geben, dass mein Nervenverschleiss nicht die Sollbruchgrenze erreichte. Und fing an, mich mit den mehr oder weniger neuen Haufen (meist mehr) abzufinden. Ein alter Spruch lautet: Es ist, wie es ist. Okay, vielleicht hilfts ja auch. Und das ganze Aufregen lohnt ja nicht. Eine letzte Idee – meinen ständigen Wohnsitz im Garten zu nehmen und durch meine Dauerpräsenz ihre Aktivitäten zu verhindern – setzte ich dann doch nicht um. Im Garten gibt es weder fliessend Wasser, Dusche, weiches Bett noch Internetanschluss. 

Vielleicht konnte man das Ganze ja auch positiv sehen? Eine Bekannte schrieb im Blog: Vielleicht fühlen sie sich ja gerade in eurem Garten ganz wohl und sind deshalb da präsent? Stimmt, so könnte man das ja auch sehen…

Christen als Maulwürfe

Und noch etwas geschah: Beim Rasenmähen über die zuvor entfernten Hügel kam auch der Vergleich, dass manche Mitchristen zuweilen den Maulwürfen ähnelten. Es gab sie, sie waren in ihrer Art aktiv, taten gute Dinge – aber in einer teilweise für mich anderen (Denk)Welt. Und hinterliessen mehr oder minder viele „Haufen“, die mich massiv störten. Einfach drumherum gehen, das funktionierte nicht, denn durch ihre Anwesenheit, ihre spezielle „Denke“, dem Äussern ihrer Ansichten, waren sie oft Störfaktoren in meiner Welt.

Auch da die Frage: Was tun? Sie stehen unter Naturschutz (einfach beseitigen geht nicht), umsiedeln ist nicht realisierbar, schimpfen und beten hilft ebenfalls wenig. Da bleibt nur Akzeptanz, dass sie zum Leben dazugehören … und, ja… vielleicht den Richtungswechsel beim Anschauen: Vielleicht entdecke ich noch den besonderen Wert ihrer besonderen Art? Dafür, genau – dafür könnte ich ja vermehrt beten. Und durch ihre Andersartigkeit lernt mir Gott mal wieder eine der Lektionen, die einem eigentlich gar nicht so schmecken…

Ausblick

Dann war das Problem Maulwürfe in unserem Garten plötzlich gelöst. Ihre Aktivität endete schlagartig. Klimawandel? Weltwirtschaftskrise? Kachelmannprozess? Keine Ahnung, woran es lag. Und ich nutzte diese hügellose Zeit, durchzuatmen, mich zu freuen. Vielleicht lag es ja auch nur daran, dass es so lange nicht geregnet hatte und der Lehmboden knochentrocken und hart war – und selbst einem begeisterten Maulwurf das Graben verging?

Ein paar Tage Ruhe. Wie schön.

Bis wir diese Löcher bemerkten. Im Boden. An Pflanzenwurzeln. Mehrere. Immer grössere. Nein, keine Haufen mehr. Dafür aber gab es Gänge und Löcher.

Wir hatten neue Gäste: Wühlmäuse!

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