Eine Bekannte lud uns zu einem Benefizkonzert in die Basler Thomaskirche ein. Irgendwie ging es um Freunde von ihr, die längere Zeit in den Philippinen gelebt hätten…

Der Abend war sehr abwechslungsreich. Zuerst: Die ziemlich geräumige Kirche war voll besetzt, alle Altergruppen vertreten. Und auch die angebotenen Musikstücke der verschiedenen Interpreten hörenswert. Aber das zentrale Element waren Christian Schneider, ein schweizerischer Pflegefachmann mit seiner Frau Christine, die jahrelang in den Slums von Manila gelebt hatten. Aus den vielen Erlebnissen und Begegnungen war ein Buch entstanden, welches an diesem Abend vorgestellt wurde.

Zuerst allein

Christian Schneider fühlte sich im Sommer 1988 berufen, aus dem schweizerischen Basel in die ferne Inselwelt der Philippinen, nach Manila zu reisen. Mit der dort ansässigen Niederlassung der Missionsgesellschaft SERVANTS fing er an, sich um die Ärmsten der Armen in den Slums von Manila zu kümmern. Manila – eine grosse, moderne Stadt einerseits, aber auch Wohnplatz der Randständigen auf Müllkippen und in engsten Verhältnissen.

Schneider sollte eigentlich ein Jahr Sprache und Kultur lernen – so das Konzept der SERVANTS. Was ihm aber nicht gelingt. Als diplomierter Pflegefachmann juckt es ihn schon bald in den Fingern, Hilfebedürftigen in gesundheitlichen Problemen beizustehen, das ihm Mögliche zu tun. Er kann einfach nicht zusehen… Mitten unter den Slumbewohnern versucht er zuerst, Tagalog zu lernen. Um sich verständigen zu können. Und wird dabei oft aus- oder angelacht, weil der „Americano“ so seltsame Laute von sich gibt. Aber seine Hilflosigkeit, auch der grossen Not gegenüber, wird ihm abgespürt – und schafft Vertrauen.

Mit Frau und Kind

Nach vier Jahren geht er auf Heimaturlaub – und kommt mit Frau und Kind zurück. Auch wieder mitten in die Slums. Der zweite Teil seines Einsatzes wird dann noch einmal neun Jahre dauern. Schneiders haben ein Herz für die Armen, teilen ihr Leben und ihre Habe mit ihnen. Kaum oder keine Privatspäre. Krankheiten. Mord, Totschlag. Rückschläge in der Arbeit an Prostituierten, Rebellen, Alkoholikern lösen öfters auch Glaubenskrisen aus. Wo ist dieser Gott konkret, wenn neu Tod und Verbrechen siegen? Aber es gibt auch immer wieder Sonnenstrahlen der Güte Gottes: Wenn ein Bandenführer sein Leben Jesus übergibt. Wenn der Kreis derer, die sich regelmässig zum Bibellesen und beten treffen immer grösser wird. Oder wenn mitten bei einer Panne zwei eigenartige Engel auf der Landstrasse auftauchen.

Wirklich verändernd wirkte das eingerichtete Jugendcamp, in dem die jungen Leute mal aus ihrer Tristesse herauskamen, einen anderen Lebensbereich kennen lernten und arbeiteten, sportlich aktiv waren und am Abend Lagerfeuerromantik und Glaubenserlebnisse mitbekamen. Da änderten sich oft Leben fürs Leben…

Das von Schneiders auf kurzweilige Art geschriebene Buch ist lesenswert. Knappe Kapitel, hochinteressante Begegenungen, spannende Erlebnisse, dramatisches politisches Geschehen… aber ich will hier ja nicht alles verraten. Es lohnt, dieses Buch zu lesen. Und verändert (mal wieder) die Sichtweise von uns behüteten Mitteleuropäern für die „Randständigen“, wie Christian Schneider sie nennt. Sie bräuchten eine Stimme. In Schneiders haben sie eine ganz deutliche!

An dem Abend, der uns sehr beeindruckte, holen wir uns noch ein Buch und ein Autogramm. Wenn der Autor schon anwesend ist…:-)

Link zum Buch

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