1. Akt: Der Gebetskreis

Wir sitzen in unserer montäglichen Runde, als Maria zu Beginn eine gute Handvoll dunkler Bohnen auf den Tisch wirft mit der Bitte, mal laut zu denken, was einem so dazu einfällt. Zuerst verstehen wir die Aufforderung nicht, aber dann wird eben einfach „gebraintstormt“: „Braune Bohnen“, „Samen“, „irgendwann wird eine Pflanze draus“, „Wachstum möglich“. „Und was ist mit Glauben?“ „???“ „Na ja, braucht es nicht Glauben, dass aus so einer kleinen Bohne eine richtig grosse Pflanze entsteht? Schliesslich hat man es ja nocht nicht – jedenfalls bei diesen Bohnen – gesehen, dass aus dem kleinen Samen etwas Grosses entsteht…“ Dann verteilt sie die Samen unter den Anwesenden. Vielleicht als kleine Gedankenstütze im Alltag.

2. Akt: Das Experiment

Am nächsten Morgen fallen mir die Bohnen wieder in die Hände und ich erinnere mich an die Schulexperimente in Biologie. Ja – das wäre doch eine gute Idee, meinen Glauben mal zu „beweisen“, indem ich harte Fakten schaffe, die man nicht wegdiskutieren kann. Also nehme ich eine Glasschale, lege ein Stück Papiertuch hinein, dazu die Bohnen und benetze das Ganze mit Wasser. Sicher werden die Bohnen etwas aufquellen und sich dann öffnen, Wurzeln herauslassen und dann eine kleine Pflanze bilden. Soweit reicht mein Glauben allemal.

Und schon wird das erste Foto einer ganzen späteren Serie geschossen. Die einzelnen Schritte sollen ja nachweisbar dokumentiert werden…

Damit mein Versuch nicht unter die Räder kommt (sprich: in die Hände meiner Frau) verlagere ich den Aufenthaltsort der Schale extra von der Küche ins Arbeitszimmer auf unseren runden Tisch. Dort können die Bohnen keimen, was das Zeug hält…

3. Akt: Das Unberechenbare

Am Abend fahre ich nach der Arbeit gleich in unseren Garten, weil die Enkelkinder zu Besuch sind. Wir spielen und grillen. Und erzählen ein wenig. Ich frage nach meinem Experiment. Meine liebe Frau versteht zuerst nicht, was ich damit meine und fängt dann herzhaft an zu lachen. Da ahne ich schon etwas und frage: „Sag bloss, du hast meine Superexperiment eliminiert?“ „Hmm, wahrscheinlich“, war die Antwort. „Da stand eben einfach dieses Schälchen rum – ich habe mich schon gewundert, wo es herkommt – und es ordentlich entsorgt.“ Nun ja, etwas später gebe ich auch zu, dass ich einen Zettel hätte dazulegen können, der den Vorgang erklärt. Aber ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass jemand einfach…

4. Akt: Das Ergebnis

Als alles aufgeklärt war, haben wir fröhlich miteinander gelacht. So etwas passiert im Zusammenleben ja immer wieder, das der eine etwas anderes denkt und meint, als der andere es dann für sich erklärt. Das Experiment selbst ist gescheitert, weil ich nicht unbedingt im Abfalleimer wühlen und die Bohnen wieder ans Tagelicht zerren wollte.

Mein persönlicher Glaube, dass aus Samen Pflanzen, und aus Pflanzen Frucht entsteht, hat das Geschehen aber überhaupt nicht tangiert. Dazu habe ich zu oft schon erlebt, dass Gott in seiner genialen Art alles Lebensnötige in Samen schon angeordnet und „eingebaut“ hat. Bei Pflanzen, Bäumen, Tieren und Menschen. Und bei letzteren nicht nur zur eigenen Fortpflanzung, sondern auch die Möglichkeit, mit Gott wieder anzuknüpfen. Manche nennen das auch Wiedergeburt.

5. Akt: Nachtrag

Heute erzählt Madeleine ein gutes Erlebnis: Sie hat eine Freundin, der sie schon über viele Jahre immer mal wieder von ihrem Glauben erzählt. Am Wochenende haben sie sich mal wieder zu einer Tasse Kaffee getroffen, zum Austauschen und Erzählen. Da ihre Freundin aus Italien stammt, lud Madeleine noch einen anderen italienischen Freund zu der Runde ein. Kaum sassen sie zusammen am Tisch, fragte ihr Bekannter, ob er denn mal mit ihrer Freundin kurz reden könne. Diese sagte zu – und die beiden kehrten nach einer halben Stunde von ihrem Gespräch zurück. Dabei war ihre Freundin so anders, schaute fast durch sie hindurch, als ob sie mit ihren Gedanken wo ganz anders war. Der Bekannte verabschiedete sich dann auch bald. Und dann lüftete sich das „Geheimnis“: „Ich habe mich eben für Jesus Christus entschieden!“

Später erfuhr Madeleine in einem Telefonat, dass es für ihren Bekannten auch eigenartig war, denn er kannte ja die italienische Frau gar nicht. Aber als Gott ihm dann, als er am Tisch sass, aufforderte, mit ihr zu sprechen – hat er es einfach gemacht, ohne vorher schon zu wissen, worum es dann gehen würde…

Am Ende gab es Freude im Himmel. Und auch auf der Erde. Ein Kind hat zu seinem Vater zurückgefunden, wurde wiedergeboren, begleitet von zwei Hebammen. Einfach schön, solche Erlebnisse!

Advertisements