2. Nach „Dienstschluss“

Prophetisch sagt der Psalmist in Psalm 109,4:

„Für meine Liebe feindeten sie mich an. Ich aber bin stets im Gebet.“

Für Jesus war Beten nicht eine (manchmal vielleicht lästige) Übung, dass ein Mann oder eine Frau sozusagen ihre Pflicht erfüllt, in dem sie sich wenigsten ein- oder zweimal bei ihrem Schöpfer meldet, sozusagen Anwesenheitsmeldung macht und dann (meist) ihre Wunschliste durchgibt.

„Herr gib mir bitte…

  • Gelingen für diesen Tag
  • Bewahrung auf der Strasse
  • Hilfe bei meinem Beziehungsstress
  • Das nötige Kleingeld für den Urlaub
  • Mehr Besucherzahlen in meiner Kirche
  • Und mache mich auch geduldiger, netter, usw.“

Nein, bei Jesus war das ganz anders. Er konnte von sich sagen: „Ich aber bin stets im Gebet.“
Wörtlich steht dort: „Ich bin Gebet“. Sozusagen: Ich bestehe aus nichts anderem. Wenn du Jesus sagst, dann kannst du auch Gebet sagen. Gebet ist für mich nicht was Fremdes, Angelerntes, Trainiertes, Mühevolles – es ist mein Grundbedürfnis.

Ja, aber geht das? Vielleicht konnte Jesus das ja, aber wir? Ständig im Gebet zu sein? Wer hat denn so viel Zeit???

Hier ist sicher etwas anderes gemeint, als jeweils für 5 Minuten oder auch eine Viertelstunde die Augen schliessen und dann Gott zu loben, zu danken und Fürbitte für Andere und für sich selbst zu tun.
Es geht viel mehr um die tiefe innere Überzeugung, den ständigen Wunsch, dauerhaft tagsüber „Online“ mit IHM zu sein.

  • das können kurze Stossgebete in schwierigen Situationen sein
  • das kann ein kräftiger Dank bei erfahrener Hilfe – oder einfach so mal – sein
  • das kann das Weiterleiten von Fragen, die plötzlich auftauchen, sein
  • das kann das Vorlegen eines Briefes sein, welcher mich stark beschäftigt und Antwort fordert
  • das kann der geäusserte Wunsch sein, mehr von ihm zu erleben, zu sehen, zu erkennen
  • das kann das bewusste Öffnen der Ohren sein, um wieder neu seine Stimme zu hören
  • das können 1000 andere Dinge sein, die uns einander näher bringen – eben wie auch in einer „richtigen“ menschlichen Beziehung, einer Ehe oder Freundschaft

Ein Beispiel ist eine Situation, die von Jesus „nach Dienstschluss“ berichtet wird:

Heilung eines Aussätzigen
Luk. 5,
12 Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz; und als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.
13 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und sogleich wich der Aussatz von ihm.
14 Und er gebot ihm, es niemand zu sagen: Geh aber hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis!
15 Aber die Rede über ihn verbreitete sich umso mehr; und große Volksmengen versammelten sich, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden
16 Er aber zog sich zurück und war in einsamen Gegenden und betete.

Für den Mensch Jesus war es elementar, auch nach vollbrachter Arbeit – und die fand ja bei Jesus im Predigen, Heilen, Einzelgesprächen und Ausbildung seiner Jünger statt – die Ergebnisse mit der Chefetage besprechen.

Dazu

  • zog er sich zurück – hier ist wieder das Element der Einsamkeit, mal frei von Menschen, die ihn sonst immer umringten
  • suchte er auch eine Gegend auf, die gut für seinen Kontakt mit Gott sein würde, damit es keine Störungen gab
  • führte er das dann auch durch, wozu er wegging – er betete, besprach vieles mit seinem Vater

Das kann auch für uns ein mutmachendes Beispiel sein, bewusst sich aus dem Alltagstrubel zurückzuziehen, Stille zu produzieren und nach Antenneneinstellung Signale nach oben zu senden und zu empfangen.

Hilfreich ist:

  • Das Handy auszuschalten oder zu Hause zu lassen
  • Den Laptop nicht mitzunehmen
  • Natürlich auch den Fernseher nicht zu nutzen
  • Auch mal völlig seinen sonstigen Lebenskreis zu verlassen (Stilletag, Oasentag, Klostertage, Stillewoche, Bergwanderung, einige Stunden nur allein im Garten…)

Von Jesus kann ich hier lernen, auch mein Tagesgeschäft mit Gott durchzusprechen, ihm den Tag wieder zurückzugeben, mir kritische oder mutmachende Hinweise anzuhören, den Restfrust nach oben abzugeben usw.

Zusammenfassung: Allein mit dem Vater/Jesus
2. Nach „Dienstschluss“

  • Rückzug aus dem Alltagstrubel
  • Einen passenden Platz aufsuchen, der Gott-Kontakte fördert
  • Den Tag, die Projekte, das Erlebte mit dem Herrn durchsprechen und auf ermutigende Hinweise zu warten

Hier gehts zu: Allein mit dem Vater – Teil 1

Hier gehts zu: Allein mit dem Vater – Teil 3

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