Zugegeben – es war die erste Veranstaltung dieser Art. Freunde hatten schon immer mal wieder davon erzählt, dass die IVCG, die Internationale Vereinigung Christlicher Geschäftsleute Vortragsabende in einer gediegenen Umgebung und mit speziellen Themen durchführen würden. Bisher hatte es sich nicht ergeben. Aber als jetzt ein Kollege zusagte, an dem Abend mitzukommen, meldete ich mich beim Veranstalter an.

Im Freiburger Colombi-Hotel (fünf Sterne!) war im Salon Innsbruck festlich für die Gäste gedeckt. Eine freundliche Mitarbeiterin der IVCG begrüsste die Eintreffenden – und da wir noch etwas Zeit hatten, konnten wir den Salon und auch das Haus noch erkunden: ein Genuss fürs Auge.

Bernd Laub, der Leiter der IVCG-Gruppe Freiburg begrüsste die rund 60 Gäste und führte dann auch durch den Abend. Nach der sehr schmackhaften Entenbrust kam dann der Höhepunkt des Abends: Das angekündigte Referat durch den dipl. Betriebswirt und Journalist Joachim Stängle zum Thema „Die neue Kommunikationsgesellschaft – was erwartet uns?“ Über den Untertitel: „..und ewig loggt das Web“ musste ich echt schmunzeln – da merkte man den Wortakrobaten dahinter…

Ich hatte mich auf diese Begegnung gefreut, kannte ich doch Joachim Stängle noch aus seiner Zeit beim ERF in Wetzlar, bei der er zeitweise auch für uns ehrenamtliche Autoren bei jesus-online, glaube24 bzw. erf-online verantwortlich war. Das Wiedersehen war dann auch ein freudiges…

Das Referat beschäftigte sich mit der Veränderung unseres Redens und Denkens durch die moderne Kommunikation. Weltweites Kommunizieren und weltweites Präsentieren eröffnen ungeahnte Möglichkeiten im Vergleich zu denen noch vor fünfzehn Jahren. Weltweites Recherchieren mit Hilfe von Datenbanken (wer „googelt heute nicht selbstverständlich?), weltweite Unterhaltung (Foren, Chats) – all das macht uns bewusst: Online ist Alltag. Zumindest für die cirka 1,5 Milliarden Nutzer weltweit. Bei den Deutschen sind es 69,4%. Davon haben die Teenager eine 100%ige Präsenz (5,5 Mio.) und immer noch 28,2% der über 60-Jährigen (5,7 Mio.), die sogenannten „Silber Server“. Der durchschnittliche User verbringt satte 136 Minuten am Tag vor dem Computer, das sind über zwei Stunden!

Viele Möglichkeiten

Für die Gesellschaft ist das Internet zu einer zentralen Informationsbasis geworden. Wikipedia – die Site kann jeder mitgestalten – wird als „Weisheit der Masse“ bezeichnet. Und sehr oft genutzt.

Das Internet kommt der gewünschten Individualisierung entgegen: Ich kann immer, wenn ich es wünsche und möchte mich informieren, Rechnungen bezahlen und kann einkaufen (eCommerce, Online-Shopping).

Teleworking ist im Vormarsch – es ist egal, wo meine Firma beheimatet ist. Solange ich jemand an eine Datenleitung angeschlossen ist, kann er sich einbringen. Weltweit.

Aber auch soziale Netzwerke (wie Facebook) boomen – unser Leben wird immer öffentlicher.

Es ist eine rasante Entwicklung und es gilt, am Ball zu bleiben.

Aber auch Internet und Gemeinde haben Auswirkungen aufeinander. Man erfährt viel mehr über andere Religionen und umgekehrt gibt es die Chance, online vom Christentum weiterzusagen/schreiben. In Foren und Chats. Sogar Lebensberatung und Seelsorge sind im Netz möglich. Man braucht noch nicht mal aus dem Haus zu gehen…

Risiken – offensichtliche Gefahren

Im Internet gibt es keine 100%ige Sicherheit seiner Daten. Dafür aber diverse Abhör- und Manipulationsmöglichkeiten. Alles, was einmal geschrieben wurde (als Email, Facebookeintrag, SMS usw.) ist niemals – auch wenn man es löscht – verschwunden. Der Trend: der gläserne User. Das Internet vergisst nichts!

Ausserdem wird der Zugang zu schädlichen Inhalten oft leicht gemacht. Die Pornografiebranche verdient Milliarden von Dollar…

Informationsüberflutung ist eine weitere negative Eigenschaft der modernen Informationsgesellschaft. Es gibt Aussagen über alles und jeden – man muss es nur finden. Und das kostet wiederum Zeit.

Das Internet wird auch mehr und mehr zu einem Machtinstrument. Schnell mal kann die Nachricht verbreitet werden, diese oder jene Tankstellenkette zu boykottieren (vielleicht erinnert sich mancher).

Versteckte Gefahren

Zunehmend wird beklagt, dass Menschen die reale Sicht der Dinge verlieren (das Internet ist eine Welt für sich, wird zum globalen Dorf) – das reale Bild der Welt wird verzerrt.

Die bisherigen Wertmassstäbe verändern sich: Was wir dauernd erleben, verändert unser Denken. Werte ändern sich.

Bei „second life“ und „social communities“ lebt man in einer virtuellen Welt, wird dort geprägt. Verliert Kindheitsidylle, weil zu viele Erwachsenenthemen präsent sind und der Schonraum für Kinder zurückgedrängt wird.

Trotz vieler Kontaktmöglichkeiten vereinsamen die Menschen. Wirkliche (reale) Kommunikation wird immer seltener. Der einsame User hinterm Bildschirm…

Wohin geht die Reise?

In der Zukunft wird Telefon, Computer und Fernsehen immer mehr miteinander verschmelzen. Das mobile Internet wird Standart werden. Die virtuelle Wirklichkeit wird zunehmen (Veranstaltungen: Sie sind so „nah“, als wäre man dort). Die Vernetzung aller Lebensbereiche wird fortschreiten: Der Kühlschrank „meldet“ über eine Datenleitung, dass die Butter alle ist und neu bestellt wird. In der Medizin werden Chips aktuelle Gesundheitsdaten weiterleiten, aber gleichzeitig wird der Patient auch überwacht.

Hilfen?

Wir müssen uns bewusst sein, dass die Technik immer schwerer beherrschbar wird, müssen lernen, zu agieren. Feste Massstäbe und Grenzen sind nötig. Und in dieser zunehmend komplexen Kommunikationsgesellschaft tut es gut, über sich einen festen Halt zu wissen. Den Schöpfer. Wir sind von ihm, nicht von der Technik abhängig.

Auszeiten, innehalten, dosierte Nutzung des Internets. Und was jeder Einzelne für sich lebbar herausfindet…

Nachdenklich

Beim anschliessenden Dessert – hmm, lecker karamellisierte Apfeltarte mit Vanilleschaum und -eis – wurde nicht nur an unserem Tisch lebhaft die angerissenen Themen diskutiert. Kein Wunder, sind wir doch alle irgendwie internett, tummeln uns bei Facebook und nutzen Google fast täglich. Aber es kamen auch die postiven Möglichkeiten ins Gespräch, Ermutigungsmails zu verschicken, christliche Events zu planen, Seminare online anzubieten, zu denen sonst – im realen Leben – kaum einer kommen würde.

Insgesamt ein netter Abend in einem gepflegten Umfeld. Ob ich mir mal eine Wiederholung in einiger Zeit gestatte?!

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