Vor einiger Zeit fuhren wir zum Luzerner Hausberg, dem Pilatus. Von dort oben – Auffahrt mit der steilsten Zahnradbahn der Welt – hat man einen phantastischen Rundblick über einen Teil der Alpen. Und natürlich auch über die Ebene, die Stadt Luzern und den Vierwaldstättersee.

Als wir vom einem Kreuz aus in nördliche Richtung schauten, sahen wir auch diese kleine Kirche (siehe Foto), die extrem dicht an diesem Abgrund stand. Es ist die Kapelle Klimsenhorn.

Wenn man das Bild längere Zeit betrachtet, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, dass durch Erosion und Erschütterungen noch mehr Gestein abbricht – und das Kirchlein Gefahr läuft, abzustürzen…

Absturzgefährdet?

Manchmal erscheinen mir unsere Kirchen – welcher Denomination auch immer – ähnlich dicht am Abgrund zu stehen. Es wird darüber geseufzt, dass immer weniger Besucher in den Gottesdiensten denselben wahrnehmen, es wird von vermehrten Kirchenaustritten gesprochen. Und ja, die Verfehlungen von Verantwortlichen gehen natürlich auch durch die Presse. Für alle Christengegner ein gefundenes Fressen…

Eine Ursache, wieso Kirchen bzw. christliche Gruppen an Attraktivität verloren haben, scheint mir die Anpassung an die gerade landläufige gesellschaftliche Meinung zu sein. Da wird der Bibel die in ihr wohnende Kraft genommen, weil man sie immer mehr herabstuft als moralische Lebenshilfe. Vieles könne man nicht mehr so sehen wie damals. Jesus würde heute anders reden und handeln… usw.

Kommentare

Symptomatisch hier ein paar Aussagen aus zwei Kommentaren zu einem „Weltartikel„, der kürzlich erschienen ist:

Richtig! Die Bibel ist ja nicht abgeschlossen, sondern wird immer weiter forgeschrieben, weil das Handeln Gottes mit den Menschen weitergeht. Wir glauben heute nicht mehr, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen worden ist, das wäre ja rückschrittlicher Kreationismus. Auch wissen wir heute, dass die Auferstehung Christi nicht leiblich, sondern metaphorisch gemeint ist. In der evangelischen Theologie sagt man dazu: „Auferstehung ins Wort“. Homosexualität können wir heute als gute Gabe Gottes annehmen und damit ein gesellschaftliches Zeichen setzen.

Gott ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten. Leben ist Veränderung. Sehr richtig heißt es in der Bibel, dass der Buchstabe tötet. Gott will sich uns immer neu offenbaren: „Siehe, ich mache alles neu.“ Die ev. Theologie hat auf den weiblichen Kern der biblischen Schriften hingewiesen: die Liebe duldet alles. Mehr ist da nicht hinzuzufügen. In meinen Predigten mache ich immer wieder auf die große Toleranz viele der unbekannten Autoren der biblischen Schriften aufmerksam. Ein Paulus wäre heute sicherlich kein kanonischer Autor mehr.

Wenn an allen Ecken der biblischen Grundaussagen gefeilt und gehobel wird, dann müssen wir uns nicht mehr wundern, wenn uns Suchende nicht mehr wirklich ernst nehmen.

Wer beurteilt wen?

Oft vergessen wir den Grundsatz (leider weiss ich nicht mehr, woher ich dieses Zitat habe):

Nicht wir beurteilen die Bibel – sondern die Bibel beurteilt uns!

Was unsere christlichen Kirchen heute wieder neu brauchen ist – Christus. Anstelle von (gut gemeinten) Lebenshilfevorträgen oder der Aufforderung, mehr soziale Beiträge zu leisten, muss erst mal wieder der Grund gerade gerückt werden. Den hat Jesus – ohne Wenn und Aber – mit seiner Erlösungstat am Kreuz gelegt.

Unsere Kirchen brauchen Spiritualität. Menschen, die mit Gott leben und ihn im Alltagsleben erfahren. Die sein Angesicht suchen und sein Herz klopfen hören. Die ihm alles Mögliche und Unmögliche zutrauen. Die ihn nicht herunterdividieren wollen auf einen klugen Menschen, sondern Gott Gott sein lassen. In Staunen und Ehrfurcht. Aber auch im vertrauensvollen Hinwenden in Not- und Fragezeiten. Die seine Aussagen ernst nehmen, weil er sie dann auch ernst nimmt. Die die dargebotene Freundeshand ergreifen, weil sie selber nicht so klug sind und meinten, alles zu wissen. Die sich beunruhigen über Bibelstellen, die sie verstehen und die unverständlichen (vorerst) einfach stehen lassen im Vertrauen, dass der Autor schon wusste, was er schrieb.

Was ich mir wünsche

Für mich habe ich eine Vision, einen Wunsch: Dass Christus aus uns Christen so „herausstrahlt“, dass Menschen angezogen, fragend werden und der Wunsch wach wird, das auch zu haben, was die „Frommen“ haben. Dann bräuchte es keine grossen Missionsstrategien mehr oder kluge Beweisführungen. Christus, der in uns und in der Kirche wohnt, würde selbst für „Werbung“ sorgen.

Der oben verschmähte Paulus schreibt einmal an die Kolosser:
Ihnen wollte er zu erkennen geben, welch wunderbaren Reichtum für die nichtjüdischen Völker dieses Geheimnis umschließt. Und wie lautet dieses Geheimnis? »Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!« (Kol. 1,27)
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