Es war ein tolles Wochenende auf dem Chrischonaberg in Bettingen (bei Basel). Spannende Bibelarbeiten, gute Gespräche, Austausch… Wir räumen noch auf und machen uns auf den Heimweg.

Wir fahren gerade durch Riehen, da bekommen wir einen Anruf. Eine Freundin bittet uns um Gebet: Ihr Bruder kommt gerade nicht ins Lörracher Krankenhaus zu seiner Frau und dem frischgeborenen Kind, weil es dort irgendwo brennt und alles abgeriegelt ist. Der Begriff Amoklauf fällt. Da wir sowieso durch Lörrach fahren müssen, nehmen wir den Weg dort vorbei. Am Busbahnhof sehen wir schon vieles Blaulichter, jede Menge Krankenwagen, ein Notzelt ist schon aufgerichtet. Viele Menschen. Passanten, Nothelfer, Polizei. Beim Vorbeifahren sehen wir in einer Seitenstrasse die Feuerwehr im Einsatz. Brandgeruch. Ein Grossaufgebot riegelt das ganze Viertel ab.

Wir beschliessen, das Auto zu parken und zur Brandstelle zu gehen. Telefonieren mit den Freunden, die sich mit uns treffen wollen. Inzwischen hören wir die Bestätigung von einem Amoklauf im Elisabethenkrankenhaus. Aber noch nichts Genaues. Wir stehen am Strassenrand, beten für Mona und ihr Kind. Telefonieren mit unserem jüngsten Sohn, der durch die Nachrichten bereits von Toten weiss, in dem Krankenhaus mal gearbeitet hat und das Personal kennt. Andere Passanten, die in unserer Nähe stehen, wissen noch nichts. Vermutungen, Gerüchte machen die Runde. Der Amokläufer soll eine Frau sein. Hätte wild um sich geschossen.

Unsere Freunde sind in Sicht, wir treffen uns. Tom – relativ ruhig – erzählt, dass er gerade mit seiner Frau im Krankenhaus telefoniert hat. Sie hat ihre Schwester zu Besuch und beide Frauen haben sich mit dem Baby (2 Tage alt) im Klo des Zimmers eingeschlossen. Der Attentäter ist wohl im 1. Stock, also weiter unten. Tom versucht,, näher ans Krankenhaus zu kommen, wird zurückgewiesen. Erfährt aber, dass es eine wilde Schiesserei im Foyer gegeben hat und „er sicher das jetzt nicht sehen wolle, wie es da aussieht“. Wir bangen weiter, beobachten Rettungsarbeiten der Feuerwehr in einem Haus gegenüber dem Krankenhaus, in dem es brennt.

Eine Frau spricht uns an, ob wir Näheres wissen? Ihr Mann hat einen Einsatzbefehl bekommen, ist unter den Rettern und es klang beängstigend, weil der verschlüsselte Code auf Schusswaffen und Explosionen hinwies. Sie sorgt sich um ihren Mann, hat noch keine Informationen.

Immer wieder kommen neue Krankenwagen, Autos des technischen Hilfswerkes, Polizei. Wir telefonieren. Auch mit unserer Tochter, die nur 2 Minuten vom Krankenhaus entfernt wohnt, fast gegenüber. Wir hören von Toten und Verwundeten. Und endlich die Nachricht, dass keine Gefahr mehr besteht, die Attentäterin von den Einsatzkräften erschossen worden sei.

Später. Die Polizei hat die Lage im Griff. Tom wird vielleicht heute nicht mehr seine Frau besuchen können. Erfährt, dass ein befreundeter Polizist gerade das Zimmer seiner Frau abgesucht hat, diese mit seinem Sohn und der Schwägerin in Sicherheit sind. Wir beten noch im Kreis zusammen. Auch für alle anderen Betroffenen. Wir fahren nach Hause. Unsere Tochter erzählt noch, dass sie ihren Bruder mit ihrem kleinen Sohn (unserem Enkel) noch zu den Feuerwehren gelassen hätte, weil der Kleine sie so fasziniert. Und dabei nicht wusste, was da noch passieren würde…

Auch Tom wurde bewahrt, denn eigentlich wollte er schon früher seine Frau besuchen, hatte aber noch Probleme mit einem Computerprogramm und kam deshalb erst später in die Nähe des Krankenhauses und somit nicht in die Gefahrenzone.

Noch später gibt es Einzelheiten: Eine 41-jährige Rechtsanwältin hat ihren Ex-Lebensgefährten und ihren gemeinsamen Sohn (5) erschossen, es gab Explosionen und Feuer. Dann rannte sie aus dem Wohnhaus schiesst um sich, trifft zwei Passanten läuft zum gegenüberliegenden Krankenhaus, schoss wieder um sich, tötete einen Pfleger und schoss einen Polizisten an, der dort gerade in Zivil war. Panik in der Klinik bei Patienten und Personal. Die Einsatzkräfte kommen schnell, die Frau schiesst auf sie, da schalten sie sie aus. Vier Tote, drei Verletzte, Angst Chaos.

Wir sind betroffen. Haben keine Erklärungen, wieso solche Sachen passieren. Merken nur, dass Amok jetzt auch in unserem sonst beschaulichen Lörrach angekommen ist. Und bei aller Dramatik auch viele Menschen Bewahrung erlebt haben. Trotz allem…

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