Im Auto läuft der CD-Player mit Musik von einem Kanadier – Danny Plett – der hier bei uns ganz in der Nähe wohnt. Ich liebe seine tiefsinnigen Texte. Man spürt ihnen an, wie er selber als Songschreiber und Mensch durch viele Tiefen ging, Gott darin erfahren hat.

Gerade singt er über den „Vater der Vaterlosen“ – ein Lied, welches mich immer wieder anspricht:

Ins Unbekannte, weit weg von Zuhause.
Hungrig und durstig, allein und verlassen.
Wo kann ich Schutz und Hilfe finden?
Verführt und verloren, von Angst gejagt.
Gibt’s irgendwo einen Platz, wo ich mein Haupt niederlegen darf?
Mich erstickt die Verwirrung,
hol mich heraus aus der Verirrung.

Vater der Vaterlosen, den Treulosen treu.
Den Kraftlosen ein Fels. Bitte komm, lieber Tröster,
wunderbarer Retter, Vater der Vaterlosen.

Carina

Und mir fällt Carina* ein. Es war an einem Bibelwochenende, an dem es auch über Sohnschaft und Tochterschaft ging. Gott, der gütige Vater – wir seine Kinder. In einer Pause kamen wir ins Gespäch. Carina: „Ich kann mit dem ganzen Thema nichts anfangen, bin ohne Vater aufgewachsen.“ Und dann kam eine traurige Geschichte von einer Odysse von Kinderheim zu Kinderheim, verschiedenen Pflegefamilien, vielen Krankheiten und inneren Verletzungen. Und dabei hatte sie weder eine positive Vaterfigur erlebt noch gute Beispiele gesehen. Kein Wunder, dass ihr die Aussagen, dass Gott auch ein liebender Vater ist, nichts sagten. Damals war ich erschüttert, hoffte, dass Gott ihr Herz anrührt und sie trotz der dunklen Jahre ihn noch erlebt als den, der trotz allem seine Kinder liebt…

Der Himmel ist eisgrau und meinem Schreien gegenüber taub.
Gebete dringen nicht durch
und gehen im Unglauben unter.
Wann hörst du mein Stöhnen und mein Klagen?

Vater der Vaterlosen, den Treulosen treu.
Den Kraftlosen ein Fels. Bitte komm, lieber Tröster,
wunderbarer Retter, Vater der Vaterlosen.

Oliver

Er sitzt mir gegenüber, 22 Jahre, Praktikant. Oliver*. Wie es mit seinen Eltern ginge, fragte ich. Daraufhin er: „Mit der Mutter gut, Vater habe ich nicht. Der hat sich ein paar Tage nach meiner Geburt vom Acker gemacht. Sich eine neue Liebe gesucht.“ Und im Gespräch erzählt er mir, dass er von sich aus auch nie den Kontakt mit diesem „weggelaufenen Erzeuger“ gesucht hätte. Wozu auch, wenn dieser doch nichts mit ihm zu tun haben wollte? – Mir wird es innerlich ziemlich kalt beim Zuhören. Und er tut mir so Leid. Ohne Vater aufzuwachsen… In meiner Kindheit war immer einer da, deshalb geht mir das so zu Herzen, wenn Jemand das Gegenteil erleben musste.

Sabrina

Wir begegnen uns am Fahrstuhl. Ich frage, wie es ihr geht. Sabrina* schaut traurig aus. Ein paar Minuten haben wir Zeit, ich kann ihr zuhören. Schon wieder den Job verloren, Geldsorgen. Mit dem derzeitigen Lebenspartner läuft es nicht so gut. Er liess sich von ihr helfen, hat aber jetzt, da es ihr schlecht geht, keine Lust, auf ihre Probleme umzusteigen. „Ich bin am Ende“, meint sie und fängt an zu weinen. Und dann fällt auch wieder dieser Satz: „Du weisst, ich bin ohne Vater aufgewachsen…“ – Und wieder einmal denke ich, dass Gott auch hier ein gutes Betätigungsfeld hätte, sich als der wirkliche Vater zu zeigen…

Und ich bete, dass er auf seine sanfte und unnachahmliche Art die Herzen und Gefühle von Carina, Oliver, Sabrina und der unzähligen anderen Vaterlosen erreicht.

Du hörtest mein Schreien und ich bin nicht gestorben.
Die Hülle entpuppte sich zu einem Schmetterling.
Ich spürte, die Sonne schien heller,
meine Last wurde leichter.
Dir sei Dank, es stimmt, du bist echt und wahr.
Du bist mein Helfer, der mich durchgebracht hat.
Ich bin einzig und allein von dir begeistert.
Du bist mein Retter und Schutz.

Vater der Vaterlosen, den Treulosen treu.
Den Kraftlosen ein Fels. Bitte komm, lieber Tröster,
wunderbarer Retter, Vater der Vaterlosen.

(Father Of The Fatherless; Words and Music: Danny Plett; Copyright Janz Musikverlag adm. by Musikverlag Klaus Gerth, Asslar)

*Name geändert

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