Im Allgemeinen hört man selten die Stimme Gottes akustisch. Das war zu früheren Zeiten nicht viel anders als heute. Manche hören Gottes Stimme sogar nie direkt, sozusagen von Ohr zu Mund.

Beim Lesen der Dynastie, die nach dem ersten König über ganz Israel – David – folgte, fällt mir auf, wie Gott dem Salomo begegnet. Als Sohn eines berühmten Vaters hatte er auch viel von dessen Glaubenerlebnissen, von Höhen und Tiefen gehört. Und wusste um die besondere Beziehung David-Gott oder  Gott-David.

Das erste Mal

Aber dann musste ihn die erste direkte Kontaktaufnahme des Schöpfers mit ihm doch überrascht haben.

„In Gibeon erschien der Herr dem Salomo bei Nacht im Traum. Und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll!“ (1. Kön. 3,5)

Salomo schläft, träumt – und mitten im Traum redet Gott plötzlich mit ihm. Keine vorherige Ankündigung. Kurz und knapp bietet Gott an, ihm einen Wunsch zu erfüllen. Das ist für den Angesprochenen – wie ich finde – keine einfache Situation. Ich stelle mir Ähnliches für mich vor. Ich wüsste auf die Schnelle nicht, was genau zum Wünschen dran wäre…
Vielleicht hat ja Salomo ähnlich empfunden und er beginnt, Gott erstmal zuzutexten, erzählt von seinem Vater und dessen Lebensstil. Als ob Gott das nicht selber wüsste! Aber dann kommt er auf den Punkt. Die grosse Verantwortung, ein ganzes Volk zu leiten und zu führen bringt ihn dann doch zu der Bitte:

„… so gib du deinem Knecht doch ein verständiges Herz, daß er dein Volk zu richten versteht und unterscheiden kann, was gut und böse ist.“ (Vers 9)

Und genau diese Bitte erfüllt Gott. Und setzt noch mehr obendrauf: Ansehen, Gelingen, Reichtum. Ich würde mal sagen – diese 1. Begegnung verlief für beide Gesprächspartner sehr positiv.

Das zweite Gespräch

Das zweite Mal ist erst viele Jahre später. Salomo hatte sich als Herrscher etabliert, sein Königreich erweitert und für Ruhe gesorgt. Und: Er hatte den Tempel gebaut, damit Gott wieder ein Haus hatte, in dem er wohnen könne. Bei der feierlichen Tempeleinweihung wurde viel geopfert, ein Riesenfest gefeiert und Salomo nutzt die Gelegenheit zu einer längeren Rede. Und zu einem noch längerem Gebet. In diesem spricht er dem Allmächtigen die gebührende Ehre, Allmacht und Hilfe zu, die er ja bis dahin ganz deutlich erlebt hat. Er und sein Volk. Und auf dieses Gebet reagiert Gott:

„Und der Herr sprach zu ihm: »Ich habe dein Gebet und dein Flehen erhört, das du vor mir gebetet hast…“ (1. Kön. 9,3ff)

Diesmal wird viel mehr von ihrer beider Beziehung ausgedrückt. Und auch hier will Gott seinen Knecht wieder neu motivieren, Kraft und Mut zusprechen für die nächsten Aufgaben. Aber es kommt auch ein neues Thema ins Gespräch: Warnung vor Fehlentscheidungen. Ob Gott schon andeuten wollte, dass sich Salomo nicht zu selbstsicher fühlen sollte? Immer an der Spitze stehen, immer Entscheidungen treffen, immer Anderen sagen, wie es langzugehen hat – das birgt auch Gefahren der Unabhängigkeit in sich. Gott lässt es sich als guter Freund nicht nehmen, seinen Diener auch vor Fehlverhalten zu warnen…

Das dritte und letzte Mal

Das Leben ging für Salomo weiter. Neue Erfolge (Königin von Saba), noch mehr Frauen, noch mehr Anerkennung und Reichtum. Langsam tappte er in die „Gefälligkeitsfalle“. Es ist ja auch nicht einfach, eine Frau aus einem anderen Land mit einer anderen Religion zu heiraten und trotzdem die eigenen Glaubensprinzipien beizubehalten. Seiner ägyptischen Frau zuliebe baute er deren Götzen einen Tempel. Und es war nur eine Frage der Zeit, dass er den, parallel zum eigenen Gott, auch anbetete. Damit war sein Untergang besiegelt, denn Gott hatte frühzeitig davor gewarnt. Und hier geht es nicht um eine Stilfrage, sondern um existenzielle Überzeugungen, die Salomo über Bord geworfen hatte.

Und noch einmal redet Gott deutlich mit ihm:

Da wurde der Herr zornig über Salomo, weil sein Herz sich abgewandt hatte von dem Herrn, dem Gott Israels, der ihm zweimal erschienen war, ja, der ihm gerade wegen dieser Sache das Gebot gegeben hatte, daß er nicht anderen Göttern nachwandeln solle; aber er beachtete nicht, was ihm der Herr geboten hatte. Darum sprach der Herr zu Salomo: Weil dies von dir geschehen ist und du meinen Bund nicht bewahrt hast, noch meine Satzungen, die ich dir geboten habe, so will ich dir gewiß das Königreich entreißen und es deinem Knecht geben! (1. Kön. 11,9ff)

Und letzteres geschah dann tatsächlich. Noch mehr passierte: Das einst geschlossene Gesamtreich wurde geteilt und hatte viele Bürgerkriege im Land zur Folge . Das schwächte sie selbst und bot den Feinden Anlass zur Häme und zur Okkupation.

Im Allgemeinen unterschätzt man die Brisanz göttlicher Botschaften. Aber das hat immer Folgen…
Bei Salomo kann man die Abwärtstendenz in seiner Lebensgeschichte auch an den Gesprächen, die Gott mit ihm führt, erkennen. Wir heute können daraus lernen, anders hinzuhören…

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