Und plötzlich hatten sie ein Problem: Vier Monate hatten die gläubigen Muslime in die falsche Richtung gebetet! Nun ja, Schuld daran waren sie selbst nicht, sondern der indonesische Rat der Religionsgelehrten (MUI) hatte in einem im März herausgegebenen Edikt behauptet, Mekka befände sich westlich von Indonesien. „Aber dort befinden sich“, so Ma’ruf Amin, ein prominentes Mitglied des Religionsgelehrtenrats, „die Länder Südsomalia und Kenia, wie einige Kosmologen und Astronomen nach sorgfältigen Untersuchungen herausgefunden haben.“

Ich weiss ja nicht, wie internetbewandert die indonesische Bevölkerung ist, aber ein Blick auf Google-Maps hätte ihnen auch ohne höchste Anweisung gezeigt, dass Mekka ein wenig weiter nördlich liegt. „Und wirkliche schlimme Folgen hätten die in die falsche Richtung geschickten Gebete wieder auch nicht,“ so Ma’ruf Amin, „denn Allah könne auch gut mit menschlichen Kalkulationsfehlern umgehen. Und er höre ihre Gebete immer.“

Für mich stellt sich bei dieser Gebets-Richtungs-Korrektur die Frage, wohin ich selbst eigentlich bete. Ist es die Richtung, die entscheident ist, ob Gebete „ankommen“? Ist es die Gebetshaltung (stehend, liegend, knieend…), die effektiver ist? Ist es die Häufigkeit und Regelmässigkeit, die Länge, die Anzahl der zitierten Bibelverse, die bei Gott zählen?

Für mich ist Beten innige Kommunikation. Austausch von Gedanken und Gefühlen. Lachen, bitten, rufen, singen. Hören. Empfangen. Geborgen sein. Das – und noch viel mehr.

Nein, die Formen werden mehr und mehr von den Inhalten verdrängt, wie es in jeder guten Beziehung auch zwischen Menschen ist…

Oder was denkst du?

Foto: Achim Lückemeyer / pixelio

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