Ich mag dich als Fussballer. Was ich nicht von allen deinen Kollegen sagen kann. Aber für mich bist du ein (meist) fairer Spieler. Und ein Sympatieträger…

Und dann könntest du mein Sohn sein. Mein erstes Kind war ein Jahr alt, als du geboren wurdest. „Drüben“, im damaligen Karl-Marx-Stadt. Da kennen wir uns auch aus, auf der rechten Seite der Elbe…

Wie gesagt, ich freue mich, wenn ich dich im Stadion auflaufen sehe. Und natürlich über deine oft klasse Spielzüge oder Einzelaktionen. Und es tat mir jeweils Leid, wenn du – wieder mal – verwundet warst. Aber das gehört ja wohl zu dieser körperbetonten Sportart dazu.

Was aber da im letzten Spiel gelaufen ist, finde ich fast tragisch. Für dich persönlich, aber auch für die kommenden Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Den Brutalo-Treter Kevin-Prince Boateng kannte ich bisher gar nicht, der dich im FA-Cup-Finale gegen Portsmouth (dein Club Chelsea siegte 1:0) am rechten Fuß verletzte. Du sagtest: „Das sah schon nach Absicht aus.“

Wie auch immer – Südafrika ist für dich gestorben. Wieder mal ein Traum, der einer bleiben wird und muss. Das tut mir Leid für dich. Für deine Laufbahn. Für deine Wünsche, Ziele, Karriere.

Aber vielleicht, vielleicht dient auch die erzwungene Spielpause dazu, dass du ein wenig Zeit findest, über deine Fussballerlaufbahn hinaus nachzudenken, was wirklich im Leben zählt. Pokale, Schalen, Trophäen sind eine tolle Erinnerung an vollbrachte Leistungen im Leben, aber für das innere Glück, für die Zufriedenheit und den Frieden im Herzen sind sie nicht wirklich eine Voraussetzung.

Einer, der es wissen muss, hat es einmal so ausgedrückt:

„Was nützt es, die ganze Welt zu gewinnen und dabei seine Seele zu verlieren? Gibt es etwas Kostbareres als die Seele?“

Und so hoffe ich für dich, wenn der Schmerz nachlässt und das böse Foul innerlich gesackt ist, dass du auch das Positive an der Situation siehst, sehen kannst und eben dafür mehr Zeit hast, was wichtig ist im Leben. Du hast eine nette Frau, drei kleine Kinder, Freunde, viele gute Erlebnisse, für die du dankbar sein kannst und es sicher auch bist. Und du hast Gott, der auch deine Situation sieht und kennt. Vielleicht nimmst du dir auch für ihn wieder mal Zeit.

Er wartet schon lange, kann ich mir vorstellen.

Für deinen verletzten Fuss gute Besserung und dir – trotz Ausfall – eine erlebnisreiche Weltmeisterschaft…

Foto:EnglishHorn73 at en.wikipedia

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