Haben Sie das auch schon erlebt? Plötzlich „überfällt“ Sie das Problem – eine schwere Diagnose, ein unerwarteter Verlust, die überraschende Kündigung, das weggelaufene Kind, die unerklärlichen Schmerzen…

Sie müssen damit fertig werden, grübeln über die Ursache und wie die Zukunft werden soll, fühlen den rasenden Schmerz und können das Ganze weder einordnen noch verstehen. Und dann bekommen Sie Besuch.

Keine Hilfe

Dieser versucht ihnen zu „helfen“. Mit Worten. Wie zum Beispiel:

  • „Wird schon nicht so schlimm werden!“ (Bagatellisieren)
  • „Das geht dir nicht alleine so – weltweit sterben jeden Tag viele Menschen.“ (Verallgemeinern)
  • „Nimms nicht so schwer – andere müssen noch mehr durchmachen“ (Gefühle herunterspielen)
  • „Das wusstest du doch, dass es auch mal anders kommen wird“ (Belehren, sich über den Betroffenen stellen)
  • „Du solltest jetzt dies oder jenes tun…“ (Ratschläge geben: Auch Ratschläge sind Schläge!)
  • „Jetzt musst du aber handeln! Geh mal zu…“ (Schnelle Lösungen präsentieren wollen)
  • „Ach weisst du, bei mir war das so…“ (…und dann folgt die eigene Geschichte…)
  • „Was genau geht in dir vor? Erzähl doch mal, was du fühlst“ (Den Finger in die Wunde legen, nachforschen, ausfragen)
  • „Bei einer anderen Lebensführung wäre das sicher nicht so gekommen (den Anderen zurechtweisen, Moralisieren)
  • … es gibt noch viel mehr „Gesprächskiller“…

Wir unterschätzen sehr oft die Kraft unserer Worte! 

„Auch Worte sind Taten“ (L. Wittgenstein)

Hiob

Und wenn Jemand, dem es eh schon schlecht geht, noch mit diversen Erklärungsversuchen, Ratschlägen und eigenen Erlebnissen konfrontiert wird, ist das nicht wirklich hilfreich. Ich habe immer die Freunde von Hiob bewundert, die nach seinen Schicksalsschlägen zu ihm kamen, um ihn zu trösten. Und sie sassen sieben Tage bei ihm, wortlos, schweigend. Das war gut, das war richtig. Bis sie anfingen, zu reden… 

„Was sagt man dem, ders nicht mehr packt?
Da sagt man doch am besten nichts.
Nicht „Halb so schlimm“, nicht „Renkt sich ein“,
nicht „Da muss jeder mal durch“,
schon gar nicht „Wird schon werden!“
Robert Gernhardt

Der Blumenstrauss

Als unser damals 12-jährige Sohn an Knochenkrebs erkrankte und die Welt für uns erst mal zusammenbrach, gab es aus unserem Umfeld auch manche Reaktionen. Da waren welche, die uns wohlmeinende Bibelverse weitergaben. Meist waren es Verse, die ihnen selber einmal Stärkung und Trost gaben. Aber Gott hatte für uns als Familie eine Spezialmischung, die er uns direkt gab. Dann gab es auch diejenigen, die andere „Fälle“ erzählen mussten, was uns nicht wirklich weiterhalf, denn gerade am Anfang solcher schweren Zeiten möchte man keine Parallelgeschichten hören. Höchstens über die eigenen Nöte und Fragen sprechen. Und dann gab es welche, die sich deutlich von uns zurückzogen. Heute glaube ich, dass es einfach Unsicherheit von ihnen war, wie sie sich verhalten sollten. Aber Rückzug ist keine gute Option für die Betroffenen.

Wirklich hilfreich waren praktische Hilfen. Die Kinder mal hüten. Fahrdienste übernehmen. Essen kochen und vorbeibringen. Eine feste Umarmung. Der Zuspruch: „Wir beten für euch!“ – und du hast das Gefühl: Die werden das auch wirklich machen!

Oder eben dieser grosse Blumenstrauss, der am Morgen einfach so vor der Wohnungstür stand mit einem Zettel: „In diesen schweren Zeiten denken wir an euch…“

Wirkliche Anteilnahme kommt bei den Betroffenen an. Und es braucht wenig oder keine Worte, um das zu vermitteln. Jesus hat auch keine grossen Trauerreden geschwungen. Manchmal weinte er einfach mit den Weinenden. Wie wohltuend! Wie tröstend!

P.S. Hier gibt es noch einen guten Artikel zum Hiob-Thema.

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