tranendesherzWährend wir zusammen unseren Kaffee trinken und „über Gott und die Welt“ plaudern, kommen wir auch auf unsere Gottesbeziehung zu sprechen. Und auf den Zusammenhang: Elternbild = Gottesbild. Und tatsächlich, beide können wir da Parallelen feststellen.

Sie stammt aus sehr konservativen christlichen Verhältnissen. Der Glaube war mehr durch Grenzen und Verbote gekennzeichnet als durch Annahme und Freiheit. Das hat sie geprägt. Aber sie hatte in all den Jahren nie den Mut gehabt, mit dieser Art von Christentum zu brechen. Auch nicht, als sie schon in der eigenen Wohnung lebte.

Und dann hat sie ihn kennengelernt. Er ist deutlich älter, sie leben zusammen. Wollen demnächst heiraten. Und dann kam dieser Satz von ihr, die kürzlich vierzig jahre alt wurde:

„Ich wusste nicht, was Liebe ist, bis John* in mein Leben kam.“

Das hat mich erschüttert. Trotzdem sie in einer Familie aufwuchs, ein lebhafter und kommunikativer Mensch ist – aber dieses Gefühl, wirklich angenommen zu sein, das erlebt sie erst jetzt nach vier Jahrzehnten. Und dabei hätte sie so gern mal vom Vater hören wollen, dass es nicht immer nur um Leistung geht, ehe man Anerkennung bekommt. Aber da waren die vielen Verbote, das Warnen vor allem, was „unbiblisch“ ist. Darunter zählten auch andere christliche Kreise. Nur die eigene Gruppe war „richtig“.

Und ich merke, wie ich wütend und traurig werde, dass wir – und da schliesse ich mich voll ein – immer wieder in diese Falle tappen, beim Anderen die Fehler zu sehen. Ihn manipulieren zu wollen zur eigenen Überzeugung und Ansicht der Dinge. Anstatt öfters mal den Arm um dessen Schulter zu legen, ihm/ihr was Nettes zu sagen. Eben auch solche Sätze, die jeder braucht: „Ich liebe dich! Ohne wenn und Aber!“

Ich hoffe für mich, dass ich das in den nächsten Jahren mehr übe, damit keiner aus meinem Umfeld sagen muss: Ich wusste nicht, was Liebe ist…

* Name geändert

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