wüste-israelDas kann doch nicht wahr sein! Sieben Jahre kämpfen sie gemeinsam, erobern das gelobte Land. Sind am Ende glücklich, weil Gott mit ihnen gezogen war, ihnen zur Seite stand.

Und dann, am Ende dieses „Projektes“ zieht jeder Stamm in seine neue Heimat, die ihm zugewiesen worden war. Die Rede ist von den 12 Stämmen Israels, die endlich nach vielen Jahren Wüstenwanderung im gelobten Land angekommen waren und es endlich „geschafft“ hatten.

Ein neuer Altar?

Zweieinhalb Stämme – Ruben, Gad, der halbe Stamm Manasse – kehren allerdings in ihre neue Heimat östlich des Jordan zurück. Dieses Gebiet gefiel ihnen damals, sie hatten es von Mose erbeten und der hatte es ihnen übereignet. Und nachdem sie fürs ganze Volk eingestanden hatten gehts endlich nach Hause, zur eigenen Scholle. Dabei kam ihnen die Idee, am Jordan einen weithin sichtbaren Altar zu bauen. Tolle Idee! Oder doch nicht, wie sich bald herausstellen sollte.

Denn die anderen neuneinhalb Stämme kriegen sich fast nicht ein, als sie von dieser Altaraktion erfahren. Sie vermuten sofort, dass „diese anderen“ eine Extrareligion pflegen wollen. Wozu brauchten sie sonst einen separaten Altar? Zum opfern ihrer eigenen Opfer. Feiern ihrer eigenen Feste. Ohne sie? Das konnte nicht sein…

Krieg?

Und sie ereifern sich, meinen zu wissen, dass die anderen ihres Volkes „fremdgehen“, separate Gottesdienste gestalten wollen – und sind bereit, einen Krieg anzufangen. Gerade hatten sie noch gegen einen gemeinsamen Feind gekämpft – und nun sollte es Bruderkrieg geben…

Zum Glück gab es wohl auch noch Besonnene unter der aufgebrachten Menge, die eine Gesandtschaft zu den zweieinhalb Stämmen schicken. Voller Vorwürfe erklären sie denen, dass es so nicht ginge…

Und ebenfalls zum Glück können die verbal Angegriffenen erklären, dass es keinesfalls um eine Abspaltung im Kultus ginge, sondern dass der Altar ein Erinnerungssymbol für die nächste Generation sein sollte, was Gott schon alles in der Vergangenheit getan hatte.

Und zum Glück glaubt die Delegation ihren Volksgenossen. Es gibt keinen Krieg. Alles endet im Wohlwollen. Zum Glück – oder: Gott sei Dank.

Aufklärungen

Als ich das las – siehe Josua Kapitel 22 – musste ich so daran denken, wie schnell auch wir oft Gerüchten Glauben schenken (wollen). Einige Halbinformationen kennen – und unser Bild über den Anderen (Partner, Familienmitglied, Kollegen, Kirchgänger, Politiker…) ist fertig. Und wir sind zu drastischen Reaktionen bereit. Schade. Fatal. Gut sind immer ein Hinterfragen, ein direktes Nachfragen, am besten beim Betroffenen. Wer weiss, vielleicht klärt sich ja auch da alles als ganz harmlos auf?

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