Sanduhr-uwest-pixelio-kleinNa – das ist doch mal eine Frage, oder? Mich jedenfalls beschäftigt sie immer wieder. Mal stärker, mal schwächer.

Wie steht Gott zu dem Faktor Zeit? Für ihn vielleicht sekundär – er hat ja ewig Zeit – aber ich habe viel weniger hier auf der Erde…

Also es geht bei mir meist so:

  1. „Ereignisfall“ (was immer das sein mag) –
  2. Ratlosigkeit –
  3. Hilfe suchen –
  4. an Gott denken –
  5. Beten –
  6. Erwartungshaltung –
  7. Problemlösung…

Aber: Ich rechne oft mit sofortiger Lösung des Problems. Schliesslich leben wir ja in einer schnelllebigen Instant-Zeit. Sofort-Kaffee, Sofort-Essen, Sofort-Kredit, Sofort-Urlaub…

Gott scheint eine andere Zeitplanung zu haben. Eine ganz andere. Gerade heute hatten wir es mit dem Psalm 37 Vers 5:

„Befiehl (o. Wälze auf) dem Herrn deine Wege und vertraue auf ihn. Er wirds wohl machen.“

Und mitten in der Not scheint es manchmal wie eine Vertröstung auf spätere Zeiten zu sein, dass er dann schon antworten wird. Eben zu seiner Zeit. Aber wenn ich Hilfe sofort brauche? Entscheidungen treffen muss? Völlig am Ende bin? Nur noch Tunnelatmospäre schnuppere – alles dunkel?

Höher

Natürlich weiss ich, dass Gott alles sieht, jeden genau kennt (auch mich), jede Situation und Lebenslage super analysieren kann. Und Lösungsideen hat. Aber sie meist nicht gleich verwirklicht. Warum? Weil halt „seine Gedanken höher sind als unsere Gedanken…“. Und er deshalb die verstreichende Zeit nutzt, um uns zu verändern. Reifen zu lassen. Vorzubereiten auf die nächste Phase des Lebens. Mit ihm. Oder einem Mitmenschen. Oder einer Arbeitsstelle.

Ohne Reifeprozess verändern wir Menschen uns kaum. Nur etwas als richtig erkennen reicht oft nicht aus. Gedanken, im Kopf produziert, verfliegen oft auch wieder schnell. Man muss Dinge und Wahrheiten verinnerlichen. Und dazu braucht es Zeit. Gott weiss das natürlich. Und hat seinen eigenen Zeitplan. Und das ist – natürlich – gut so. Ob es mir gefällt oder nicht. Und dieses Gebet erhört er sowieso nicht:

„Herr, gib mir Geduld.
Aber bitte sofort!“

Aber manchmal – Manchmal! – überrascht er mich mit schnellen Antworten. Ein aktuelles Beispiel?

Wo isser den?

Ich wollte gerade zum Gottesdienst losgehen, da klingelt das Telefon.
„Weisst du, wo Robert (alleinstehender Herr, Name geändert) ist?“, fragte eine Bekannte.
„Na, ich denke, er ist irgendwo in Italien im Urlaub. Ich habe auch schon länger nichts von ihm gehört.“
„Ja, er war auf Sardinien und ist da vor drei Tage abgereist. Und wollte noch eine Woche bei Freunden verbringen. Aber dort ist er nicht angekommen.“
„Tja, ich weiss halt auch nicht…“
„Könntest du mal bei ihm zu Hause vorbeifahren und seine Vermieter fragen?“
„Naja, beim letzten Mal war es auch harmlos, er lag im Bett. Eigentlich mag ich keinen Kontrollbesuch dort machen.“
„Aber was ist, wenn ihm auf Sardinien was passiert ist? Wenn er in die Waldbrände geraten ist und keiner weiss, wohin er gehört?“
„Hm, vielleicht taucht er doch wieder auf?“
„Oder er ist kurzfristig nach Südamerika gereist, weil er dort Hausangelegenheiten hat?“
„Hör mal, unser Freund lehrt doch immer, dass Gott hört und wir ihm alles sagen können. Was hältst du davon, ehe wir eine Vernmisstenanzeige aufgeben, einfach das Problem Gott zu überlassen – sagen wir mal die nächsten sechs Stunden – und dann kann ich immer noch zum Vermieter gehen.“
„Nun ja, ganz ruhig bin ich dabei nicht – aber okay, telefonieren wir wieder am Abend zusammen.“

Fünf

5 (in Worten: fünf) Minuten später ruft sie wieder an und meint:
„Alles klar, habe gerade mit einer Freundin telefoniert, die gerade auf der anderen Leitung mit Robert telefoniert – er ist zu Hause…“
„Na Klasse, da war ja alle Aufregung umsonst und wir können wieder runtertouren.“

Alles war wieder im geregelten Ablauf, die Sorgen umsonst, der Freund hatte sich wieder „angefunden“.

Und Gott hatte geantwortet.
Bereits nach fünf Minuten.

Cool von ihm, oder?

Foto: uwest/pixelio

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