waste-agypten1Tabeera

Manchmal kann man nur den Kopf schütteln über das Hin und Her damals im Volk Isreal. In 4. Mose 11 wird so ein exemplarisches Beispiel vorgestellt: Unzufrieden über ihr Leben fangen die Israeliten an, zu klagen. Es muss wohl massiv gewesen sein, sonst hätte Gott nicht eine so drakonische Strafe angewendet. Ein „Brand“ des Herrn traf sie. Zugegeben, das liest sich ziemlich hart. Aber da wir keine weiteren Augenzeugenberichte, keine Live-Videos oder Blogbeiträge aus dieser Zeit vorliegen haben, kann man nur aus dem Zusammenhang schliessen, dass sie direkt gegen Gott gemurrt haben.

Nun ja, das passiert uns doch auch schon mal, oder? „Wieso lässt Gott das zu?“ „Wieso gerade ich? Kann er sich nicht mal einen anderen aussuchen?“ „Ich an Gottes Stelle würde…“

Nur gut, dass Gott nicht jedes Murren von heute so ahndet wie damals, dann würde es viele Orte geben, die Tabeera = „Brand“ heissen müssten…

Überfordert

Nur kurze Zeit ging es gut – dann wollten sie die tägliche Direktversorgung aus dem Himmel, das Manna, nicht mehr. Es wurde zu eintönig, langweilig. In einem unwirtlichem Umfeld die Grundversorgunggarantie – das reichte ihnen nicht mehr. Erinnerungen wurden wach an Ägypten. Nein – nicht die Schläge, die Tyrannei, das Sklaventum. Das Essen von dort fehlte ihnen! Es heisst im Bericht, dass sie anfingen zu weinen. Und zwar jede Familie am Eingang ihres Zeltes. Das ergab ein Gesamtgeschrei und Heulen. Kein Wunder, dass Mose als Verantwortlicher mürbe wurde. Das war ihm zu viel und er delegierte das Problem nach oben weiter. Lieber tot als diese Überforderung weiter durchzustehen.

Auch da kommen Erinnerungen an eigenes Erleben, als Verantwortlicher und auch als Meckerer. Wie schnell sieht man als Führer nur noch die Anforderungen, die unerfüllbar scheinenden Wünsche, ohne mit der Allmacht Gottes zu rechnen, der jedes Problem in den Griff kriegt. Und auch die perfide und zermürbende Kritik, dass die da oben gefälligst für meine (übersteigerten) Bedürfnisse sorgen sollten. Gar mancher Pastor oder Ältester in Kirchen ist daran schon zerbrochen.

Lastträger

Gott hilft zuerst seinem treuen, aber momentan gestressten Diener. Er stellt ihm 70 Männer zur Seite, die jeweils gewisse Arbeitssemente übernehmen. Sie sollten die last von Mose mit tragen, die er als zu schwer für sich empfand. Und würden auch einen teil des Geistes, der auf Mose ruhte, bekommen. Und so geschah es.

Ich glaube, wenn wir unsere eigenen Überlastungen wirklich ganz und gar Gott abgeben könnten, dann würde er auch in unserer Zeit genauso noch für Entlastungen sorgen. Plötzlich tauchen Menschen an unserer seite auf – und alles wird leichter. Wir haben das öfter schon erlebt. Gott kann. Nur zwei Worte, aber sie bergen soviel Kraft in sich.

Nasenprobleme

Als dann Gott auch noch eine Fleisch-Problem-Lösung ankündigt, rechnet Mose blitzschnell durch: Wieviel Rinder bräuchte es, um allein 600.000 Männer (plus Frauen und Kinder kommt man locker auf zwei Millionen Menschen…) satt zu machen. Oder wieviel Fische müsste man angeln?

Aber Gott hat andere Möglichkeiten – hatten wir das nicht schon mal? – und dann kommt sein Humor (oder soll man lieber sagen, seine ironische Bemerkung) durch: „Du kannst ruhig rechnen, Mose. Aber auch wenn du es mir nicht zutraust – ich werde für Fleisch sorgen. Nicht für einen Tag, nicht für zwei, fünf, zehn oder zwanzig Tage, sondern für einen ganzen Monat. Wieviel braucht man deiner neuen Rechnung nach für 600.000 Leute mal 30 Tage?“

Mose hört auf zu diskutieren.

Und dann handelt Gott. Er lässt mittels eines starken Windes Wachteln herbeitreiben, so dass rings um das israelitische Lager und einen Meter hoch alles voller Wachteln war. Genug zum Essen? Aber sicher. Es war so viel, dass es den Feinschmeckern dann buchstäblich zur Nase herauskam – ein appetitliches Bild, oder?

Kibrot-Hattaawa

Ungehorsam, Zweifel, Angriffe auf seine Autorität – Gott kann es nicht einfach so hinnehmen. Doch, er ist ein gnädiger Gott und gibt unendliche Chancen. Immer wieder. Aber es gibt auch Grenzen. Wie in dieser Schilderung, als das Volk bestraft wird. Es müssen starke Herzenverhärtungen bei den Israeliten vorhanden gewesen sein, sonst hätte Gott nicht so drastisch reagiert. Das Ergebnis waren die später so genannten „Lustgräber“ (hebr. Kibrot-Hattaawa), weil der Ort nach den Gräbern der lüsternen Menschen so genannt wurde.

Ein Auf und Ab in der damaligen Zeit… Aber wenn wir ehrlich sind, dann spiegeln diese Leute auch unser eigenes Leben wieder. Da gibt es Zeiten, in denen wir mit stolzgeschwellter Brust rufen: „Gott, mit dir wollen wir über Mauern springen!“ Und kurz danach sitzen wir jammernd vor unserem Lieblingsproblem, weil Gott nicht mächtig genug ist, uns da rauszuholen… Mir geht es jedenfalls öfters so.

Und da ist mir dieses 11.Kapitel im 4. Buch Mose neu eine gute Lektion geworden!

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