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Letztens tauchte er auf – mitten in unserem Arbeitszimmer. Irgendwie war er in unserer Wohnung gelandet. Ein Maikäfer. Pünktlich zum Monatsbeginn Mai. So ein Exemplar hatten wir jahrelang nicht gesehen.

Als wir noch Kinder waren, gab es sie haufenweise. Maikäfer! Wir sammelten sie mit Begeisterung, vornehmlich in Pappschachteln. Die natürlich mit Luftlöchern versehen waren.

Und man musste aufpassen, dass der Deckel richtig auf der Schachtel sass – denn die wendigen Käfer kletterten nur allzuschnell aus ihrem Gefängnis, sobald sie einen Spalt sahen.

Beliebt waren auch die Augenblicke, wenn wir unsere Fundstücke mit in die Schule nahmen…

Und ebenfalls unvergesslich – diese Geschichte bei Max und Moritz!

Vier Jahre

Und dann war noch dieses Phänomen, dass wir immer ganze vier Jahre warten mussten, ehe Maikäfer wieder zu sehen waren. Der Grund lag (liegt) in ihrer Entwicklung. Maikäfer legen Eier (danach sterben die Mütter, die Väter bereits nach der Begattung), nach vier bis sechs Wochen schlüpfen Engerlinge. Diese machen eine Metarmorphose durch, bis sie nach drei bis fünf, meist aber nach vier Jahren als geschlechtsreife Tiere sichtbar werden. Ihre Lebensdauer allerdings beträgt nur vier bis sieben Wochen…

Selten

Irgendwie erinnerte mich „mein“ Maikäfer auch an Gläubige. Manchmal denke ich, wir sind selten geworden. Jedenfalls in Europa. Im Alltag, am Arbeitsplatz. Wie wenige sind als Christen bekannt. Fast zu Exoten geworden.

Oder – und das wäre eine Erklärung – Menschen befinden sich gerade in dieser Verwandlungsphase, die für andere unsichtbar stattfindet, aber seine Zeit braucht.

maikafer1Ich wünschte mir mehr Öffentlichkeit, mehr Wahrnehmung von christlichen Zeitgenossen. Nein, nicht um eine Quote zu erfüllen.

Aber als Menschen bekannt zu sein, die Licht und Salz für ihre Umgebung darstellen. Veränderungen und Wegweisung bedeuten. Und nicht ein verborgenes Leben in der Pappschachtel oder unterm Glas führen…

Fotos: A. Meissner

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