tranendesherzFrühlingsgefühle

Wenn es draussen wärmer wird, wenn das Graue in der Natur den fröhlichen Farben der neu aus dem Boden brechenden Blumen weicht, wenn wir morgens wieder durch das fröhliche Singen der Vögel geweckt werden, dann ist Frühlingszeit. Und so neu, so prickelnd, so sehnsuchtsvoll geht es oft auch in unseren Herzen zu.

Frühlingsgefühle halt. Sehnsucht nach einem Partner, einem Gegenüber. Da geht es schnell, dass sein Blick am bauchfreien Top hängenbleibt oder sie seine Armmuskeln bewundert.

Verlieben

Wer kennt sie nicht – die Schmetterlinge im Bauch beim Anblick eines netten Gegenüber? Die Gedanken fangen an zu kreisen, Wünsche werden wach, Nähe wird immer wieder gesucht. Und dann der erste Date! Der erste tiefe Blick in die unergründliche Tiefe seiner Augen. Die vorsichtige Berührung. Und – beide wollen es – der erste Kuss. Die nächsten Tage und Wochen laufen im Lebensdiagramm ausser Konkurrenz…

Gewöhnung

Aber dann – und wer kennt das nicht auch? – werden die Superdates zu Gewohnheitstreffen. Eine Alltagsbrille entdeckt plötzlich kleine Flecken am bisher makellosen Partner. Da beginnen die fünf Minuten Zuspätkommen zu nerven. Der Ton wird rauher. Und nach wenigen Monaten bröckelt der Wunschpalast zum normalen Reihenhaus zusammen. Man „entliebt“ sich – wie es heute modern heisst. Das alles, was einem wochenlang mit einer Beständigkeit in die Nähe des Anderen gezogen hat, zerfliegt zunehmend wie der Kopf einer Pusteblume. Und plötzlich ist man wieder allein… Bis zum nächsten Frühling.

Umlieben

Kürzlich – ich war krank und sah einer dieser Sendungen am Nachmittag – tauchten da zwei Herren und eine Dame auf. Partner alt, Partner neu – oder wie das Spiel heisst. Der Neue war erst vier Tage alt – aber trotzdem wollte sie ihn für den Rest (?) ihres Lebens behalten. Und dann kam diese Frage, wieso sie es nicht noch weiter mit dem ersten – noch dazu der Vater ihres zu erwartenden Kindes! – versuchen wolle: „Na ja – ich habe mich halt umverliebt!“

Das hatte ich so auch noch nicht gehört. Entlieben – Umverlieben – Doppeltverlieben – Irgendwieverlieben…
Es klang so nach Beliebigkeit, nach jederzeit anderer Orientierung. Noch nicht mal mehr nach LAP*, sondern nach einer noch kürzerer Beziehungswelt. Und ich fand es schade. Und traurig. Nein – mir geht es nicht ums „Moralisieren“, sondern um die weiteren noch zu erwartenden Ent-Täuschungen, die auf so einen Lebensstil warten.
* Lebens-Abschnitts-Partner

Verlieben – Liebe

blatenIch wünschte, wir Menschen würden mehr von dieser beständigen Liebe, die den ganzen Menschen sieht und meint und nicht nur die paar Gefühle im Bauch (… es könnte ja anstatt der Schmetterlinge auch eine Magenverstimmung sein…) erleben und darum kämpfen, in guten wie in weniger guten Zeiten. Ein hilfreiches Vorbild gibt es ja:

Von weit her ist der Herr seinem Volk erschienen; er sagt: „Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben. Ich bin dir treu wie am ersten Tag!“ (Jeremia 31,3)

Fotos: A. Meissner

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