salz-pfeiffe-pixelioKürzlich hörte ich in einer Andacht – mal wieder – diesen bekannten Motivationsvers, in der wir Christen den zugegebenermassen oft nötigen Hinweis hörten, mal wieder in die Gänge zu kommen, was das Weitergeben der christlichen Botschaft angeht:

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn jedoch das Salz seine Kraft verliert, womit womit kann man dann noch salzen?
Es taugt zu nichts anderem mehr, als weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“ (Matt. 5,13)

Er ist dabei fast immer ein Schlechtes-Gewissen-Machen-Vers, weil uns spontan tausend Leute einfallen, deren Leben wir nicht mit biblischen Aussprüchen gewürzt haben. Wo wir, ach was sage ich, wo ich zu feige war, Farbe zu bekennen.
Oder einfach die Kaffeerunde zu verlassen, weil mal wieder über göttliche Dinge gelästert wurde. Oder das Thema „Frau“ auf penetrante und schlüpfrige Weise behandelt wurde. Oder sich dieser oder jener in penetranter und langatmiger Vorträgen über Esotherik oder Meditationsformen ausliess – man selber aber nicht den Mut hatte, ein „lebendiges“ Bibelwort zwischenzuwerfen…

Ja, da gibt es sicher auch in Zukunft noch genügend Handlungsbedarf, wenn es heisst, dass in der Menschensuppe zu wenig oder gar kein Salz enthalten ist.

Aber beim Austausch kam diesmal auch der gegensätzliche Aspekt des Salzens zur Sprache: Kann es nicht auch sein, dass wir den Leuten manchmal zuviel Salz in die Suppe schütten? Zuviel von Gott, Jesus, Kreuz und Tod reden? Und zwar so, dass gar mancher unserer Bekannten leise oder laut seufzt, wenn sein frommer Kollege mal wieder jede (un-)passende Gelegenheit beim Schopfe packt, um seine Bussbotschaft loszuwerden? Und – sensibel wie ein Panzer – überhaupt nicht merkt, dass sich alle offenen Ohren und Herzen ruckartig verschliessen…?

Ich erinnere mich an eine Beerdigung in Berlin, bei der in der Traueransprache alles Nötige über den Glauben der Verstorbenen und den Weg zum wirklichen Leben durch Jesus gesagt wurde. Und die gesungenen Lieder enthielten diesselbe Botschaft. Was aber zwei ältere Damen am Grab nicht davon abhielt, den ihnen unbekannten Trauergästen gleich zwei Meter neben dem Sarg ein christliches Traktat in die Hand zu drücken. Vielleicht dachten sie auch: Viel hilft viel…?

Und so texten wir gar manchen netten Zeitgenossen mit frommen Worten zu und merken gar nicht, wie wir die echten Chancen, mit ihm ins Gespräch zu kommen, total verpassen.
Manchmal ist es tatsächlich besser, mit einem stillen Gebet im Herzen mit dem Kollegen ein Bier trinken zu gehen und dann einfach mal seinen Eheproblemen zuzuhören, als selber die eigenen Weisheiten dem anderen überzustülpen.
Oder bewusst eine Wanderung zu planen und dem Wanderpartner mal nichts vom Glauben zu erzählen, weil der schon ziemlich verspannt darauf wartet, wann „es“ denn wieder losgeht. Und dann voller Erstaunen, weil die Agitation ausbleibt, vielleicht sogar selber mit einem geistlichen Thema anfängt.

In einem Brief gibt Petrus einmal (christlichen) Frauen den Rat, ihre (nichtchristlichen) Männer nicht durch Worte, sondern durch den eigenen Lebenswandel zu überzeugen.Das gilt nicht nur für Frauen.
Denn das kommt auch heute noch an: Wenn unsere Mitmenschen merken, dass wir selbst es ernst mit unserem Glauben nehmen und nicht nur Worte darüber verlieren, sondern ihn aus-leben. Authentizität heisst hier das Zauberwort.

Seit obiger Andacht ist mir wieder bewusst geworden, dass wir unser Salz dosiert einsetzen sollten. Und ruhig öfters beten könnten: „Herr, schenke uns Weisheit, wann wir reden und wann wir schweigen sollen. Zeige uns die Situationen am Tag, wo es Würze braucht und wann wir den Salzstreuer zur Seite stellen sollten.“

Foto: pfeiffe/pixelio

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