Wir lesen in der Gruppe die bewegende Argumentationskette von Paulus in Römer 9 (NGÜ) über die Beziehungen Gottes zum Volk Israel. Und wie er es schildert, hatten sie echt eine Menge Vorrechte als Nation. Hier mal der Text:

 

4 Sie sind ja Israeliten; ihnen hat Gott die Sohneswürde geschenkt. Ihnen hat er sich in seiner Herrlichkeit gezeigt, mit ihnen hat er seine Bündnisse geschlossen, ihnen hat er das Gesetz und die Ordnungen des Gottesdienstes gegeben, ihnen gelten seine Zusagen. 
5
 Sie sind Nachkommen der Stammväter, die Gott erwählt hat, und aus ihrer Mitte ist seiner irdischen Herkunft nach der Messias hervorgegangen, Christus, der Herr über alles, der für immer und ewig zu preisende Gott. Amen.

 

Als wir dann im Einzelnen über diese Privilegien sprachen, wurde uns bewusst, wie bevorrechtet dieses Volk war. Keine andere Nation hatte solche Zusagen und Erlebnisse gehabt, wie die Juden. Gott selbst wohnte in der Schechina, der Wolkensäule bei ihnen. Er war verschiedene Bündnisse mit Noah, Abrahams usw. eingegangen. Er hatte ihnen einen Kultus (Gottesdienst) vorgestellt, Gesetze gegeben, die ein gelingendes Leben als einzelne Individuen, aber auch als ganzes Volk ermöglichten. Und Jesus stammte aus diesem Volk!

 

Jede Menge Vorzüge und Begünstigungen!

 

Aber was hat das Volk Israel aus diesen idealen Ausgangsbedingungen gemacht? Sie – die als Beispielvolk für allen anderen Völker dieser Erde dienen sollten, was eine gute Gottes-Beziehung vermag – sie wurden relativ schnell eingebildet. Meinten, besser zu sein, als ihr Umfeld. Schauten auf andere herab und – viel schlimmer – lösten sich immer mehr von ihrer Kraftquelle. Ohne Gott war es mit ihren Fähigkeiten nicht weit bestellt… Was sie dann auch in den Jahrhunderten der Zerstreuung unter alle Völker bitter erleben mussten…

 

In unserer Gesprächsrunde unterhalten wir uns darüber, welche Privilegien wir heute fast als selbstverständlich hinnehmen. Ist der Frieden in unserer Region unabdingbar? Ist meine Gesundheit mein gutes Recht? Sind alle möglichen Fähigkeiten normal und zweifellos einklagbar?

 

Die Antworten (und es gibt noch jede Menge mehr) lauten: Nein! Nein! Nein!

 

Und eine zweite Frage beschäftigt uns: Wenn wir in so vielen Bereichen so sehr privilegiert sind, sollte  uns das nicht auch sensibel machen, verantwortlich mit diesen Geschenken umzugehen? Das bedeutet, dass mein Wissen, meine Sensibilität für das Wohlbefinden Anderer, meine guten finanziellen Verhältnisse, mein Wissen über Gott und die Bibel, mein Weitblick, mein Organisationstalent usw. nicht nur mir gehören, sondern eine Pflicht besteht, davon an mein Umfeld abzugeben. „Mit den Pfunden zu wuchern“, wie es das Neue Testament ausdrückt.

 

Insofern ist Bibellesen immer wieder eine spannende Entdeckungsreise!

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