Über Gebet ist schon viel geschrieben worden. Was sagt die Bibel dazu? Welche Gebetshaltungen gibt es? Welche Inhalte? Soll man frei beten oder besser vorformulierte Gebete benutzen? Wie und wann hat Jesus gebetet?

Seit einiger Zeit Lese ich sehr interessiert Bücher von Henri J.M. Nouwen. Über seine Erfahrungen mit der Stille in sieben Monaten Klosteraufenthalt. Oder auch über die Pflege von Schwerstbehinderten („Adam und ich“) – und wie er sich selbst dabei verändert.

Es gibt viele bemerkenswerte Aussagen von Nouwen. Erst kürzlich beim Lesen vorm Einschlafen fand ich, dass er gute Gedanken zum Beten äusserte. Wir denken oft zuerst daran, dass wir beim Beten reden – und Gott hört zu. Vielleicht gehen wir noch einen Schritt weiter und haben begriffen, dass beten auch wechselseitig ist und wir Gott die Gelegenheit geben, zu uns zu reden. Aber das ist schon schwieriger, denn selten äussert sich der Allmächtige mit akustisch hörbaren Worten. Er redet meist durch Gedanken, Bibel, Ereignisse, auch Empfindungen und durch andere Menschen.

Und dann sagt Nouwen – motiviert durch sein Verhältnis zu Adam, diesem schweren Pflegefall, der sich weder äussern, noch reden oder anders artikulieren konnte: Beten ist einfach, ganz bei dem Andern (Gott) zu sein. Keiner muss eine Leistung bringen, Fähigkeiten vorzeigen, beeindruckende Taten vollbringen… Nur das bedingungslose Beieinander und Füreinander Dasein ergibt eine völlig neue Dimension von Gemeinschaft und Nähe.

Wörtlich schreibt er:

„Seit ich angefangen habe, mit Adam zu beten, verstehe ich auch besser, worum es beim Beten geht – nämlich darum, bei Jesus zusein und einfach Zeit mit ihm zu verbringen. Das lehrt Adam mich.“

Gestern war ich bei unserem Enkel Finn, ich wollte beim Umzug helfen. Da die Arbeit nach einiger Zeit „ausging“, konnte ich mir noch Zeit nehmen, mit dem kleinen Burschen zu „reden“. Naja, er konnte mir noch nicht wirklich etwas erzählen, aber sein Lächeln, seine Versuche, kreativ seine Stimme einzusetzen oder das Runzeln der Stirn – all das habe ich einfach genossen.

Und mich dann neben ihn auf die Decke gelegt, Kopf an Kopf. Nur daliegen und ihn spüren. Und umgekehrt. Das gab mir dann eine kleine Illustration von dem, worüber Nouwen so geschrieben hatte…

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