Mallorca-Geschichten (5)

Schade – in diesem Urlaub ist das Wetter durchwachsen. Einen ganzen Tag verbringen wir in der Finca, weil es stundenlang regnet. Umso mehr nutzen wir die Sonne – wenn sie denn scheint, um zum Strand nach Alcudia zu fahren.

 Und, zur Feier des Tages, leisten wir uns sogar Liegen und Sonnenschirm. Denn, wenn die Sonne auf Mallorca scheint, dann kräftig…!

Auf einmal werden wir vom Lesen abgelenkt. Ganz in unserer Nähe machen sich zwei junge Frauen mit grossen Bündeln breit. Was die wohl vorhaben? Sie kramen diverse bunte Stoffe hervor – und dann wird es schon klar, was da abgeht. Jede von ihnen wickelt sich ein buntes Tuch um Hüften und Schultern. Und dann marschieren sie jeweils in gegensätzliche Richtung am Strand entlang. Und vorbei an den Urlaubern, die träge auf ihren Liegen fläzen.

Es ist schon ein buntes Bild, wie die beiden Mädchen sich jeweils andersfarbige Tücher umlegen und beim Laufen demonstrieren, wie ganz verschieden man solche Teile am Körper befestigen kann. Und das sieht auch noch toll aus! Und dann laufen sie wieder die Reihe der Urlauber ab – einfach so. Ohne jemanden zu belästigen oder lautstark aufzufordern, ihre Tücher zu kaufen.

Mir tun die Mädels inzwischen Leid, da sie eigentlich nur fleissige Werbeträger sind, aber keiner der Badegäste ihnen was abkauft. Ob sie frustriert sind? Scheinbar nicht, denn sie lächeln sich beim Umziehen immer wieder zu und laufen eine nächste Runde.

Dann ändert sich die Situation – eine erste Frau kommt zögernd an ihr provisorisches Warenlager und kauft ein bestimmtes Strandkleid ab. Und dann kommt noch eine. Und noch eine. Und sogar ein Pärchen, wobei der Mann als Portemonnaieträger eine klar zahlende Funktion übernimmt. Es ist, als wenn ein Damm gebrochen wäre…

Später freue ich mich mit den jungen Verkäuferinnen, als sie ihren Erlös zählen. Es hat sich also dann doch noch gelohnt! Auch für mich, der ich zwar meiner Frau nicht noch für die letzten Tage so ein Teil kaufe, aber nachzudenken beginne, wie hier „Werbung“ funktioniert hat. Die Vorzüge zeigen und warten, bis die Leute sich entschliessen, zuzugreifen.

Und unwillkürlich vergleiche ich mit „christlicher Werbung“, wie holperig und lautstark sie daherkommt. Und Menschen manchmal massiv unter Druck setzt („Deine Sünden bringen dich noch in die Hölle“; „Du musst dein Leben ändern und aller eitlen Freude entsagen“; oder wie die Argumente sein mögen).

Jesus hat zwar damals die Scheinheiligkeit der frommen Oberschicht massiv angeprangert (vielleicht weil er wusste, dass alle Argumente an der harten Herzschale abprallen würden), aber den wirklich Suchenden ist er in Liebe und Langmut, aber immer mit Wahrheit und Güte begegnet. Und diese werbende Art für das Himmelsreich wurde dankbar angenommen, denn wer von den vielen Verletzten und Kaputten sehnte sich nicht nach einer heilen Welt, in der sie in Angenommensein und Frieden leben könnten?

Und so wird die Art der Strandmädchen für mich ein Synonym, den Glauben einfach zu leben. Und sich immer wieder ermutigen zu lassen, dass es die Botschaft selbst ist, die an den Menschen wirkt – und zu ihrer Zeit werden sie entsprechend den nächsten Schritt auf Gott zu machen.

Einen guten Tipp findet man dazu im Predigerbuch, kontinuierlich Gottes Botschaft auszuteilen, sozusagen aufs Wasser zu werfen, denn:

Wirf dein Brot hin aufs Wasser! Denn nach einiger Zeit wird es wieder zu dir zurückkommen. (Prediger 11,1)

Und ein zweiter Tipp wird Frauen offeriert, die traurig sind, dass ihre Männer noch nicht gläubig sind:

…damit sie durch eure Lebensführung auch ohne Wort für den Glauben gewonnen werden. (1.Petr. 3,1)

Die Inhalte des Glaubens an Gott und seinen Sohn Jesus Christus an andere weiterzugeben, damit sie auch ein erfülltes Leben führen können – dazu hat mich die Art der Werbung der Strandmädels von Alcudia neu motiviert.

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